Heute in der Geschichte

Was geschah am 9. September in Italien?

Vom Sturmlandetag der Alliierten am Golfo di Salerno über die Flucht der Staatsspitze auf der Korvette Baionetta und den Untergang des Schlachtschiffs Roma bis zum Goldenen Löwen in Venedig: Der 9. September hat in Italiens Geschichte mehrfach Zeichen

Der 9. September ist in Italien ein Kalendertag, an dem sich politische, militärische und kulturelle Zäsuren scharf bündeln. 1943 verlegte die Operazione Avalanche den Krieg auf das Festland und löste in Rom Entscheidungen aus, die in eine Staatskrise und zugleich in die Grundlegung des späteren Neubeginns führten. Am selben 9. September sank die Roma nördlich von Asinara – ein Symbol für den abrupten Rollenwechsel der Regia Marina nach dem Waffenstillstand. Und 2017 stand Venedig mit dem Goldenen Löwen für The Shape of Water im Rampenlicht einer Kunstinstitution, die Italiens kulturelles Gewicht sichtbar macht. Sämtliche hier ausgewählten Vorgänge sind durch amtliche, kuratorische oder wissenschaftliche Quellen tagesgenau auf den 9. September datiert und weisen einen unmittelbaren Italien‑Bezug auf.

Italien am 9. September

9. September 1943: Alliierte Landung am Golfo di Salerno

In den frühen Morgenstunden des 9. September 1943 setzte die 5th Army der Alliierten im Rahmen der Operazione Avalanche zwischen Paestum und den Stränden nördlich von Salerno über, um einen Brückenkopf auf dem italienischen Festland zu errichten und den Weg nach Neapel zu öffnen. Zeitgleich verzeichneten militärische Stellen das Anlanden der ersten Wellen kurz nach 03.30 Uhr; schon am Vormittag kam es zu schweren Gefechten in der Piana del Sele sowie an den Zufahrten zur Stadt Salerno. Die US‑Operationsgeschichte stellt den 9. September als exakten Beginn des Angriffs dar und ordnet Ziel, Kräfte und Gliederung, während kommunale Erinnerungsorte und spezialisierte historische Vereine in Salerno die tagesgenaue Verortung der Landungen, die Abschnittszuteilungen und den Kampfverlauf dokumentieren. Mit der Landung erreichte der Krieg das Kernland der Halbinsel; dies wirkte unmittelbar auf die Entscheidungsfindung der politischen Führung in Rom und leitete – lange vor späteren politischen Weichenstellungen – den schwierigen Übergang von der Diktatur in Richtung demokratischer Neuordnung ein.

9. September 1943: König Vittorio Emanuele und Pietro Badoglio verlassen Rom auf der Korvette Baionetta

Am Morgen des 9. September 1943 setzte die Spitze des Staates Rom in Richtung Adria ab. König Vittorio Emanuele (der Dritte), Ministerpräsident Pietro Badoglio sowie engste militärische Berater fuhren über Tivoli und Avezzano an die Küste. Am Abend nahm die Korvette Baionetta in Pescara zunächst Badoglio und den Marineminister Raffaele de Courten an Bord und lief anschließend nordwärts nach Ortona. Dort schiffte sich in der Nacht zum 10. September der König mit seinem Gefolge ein; am 10. September traf der Verband in Brindisi ein, dem künftigen Regierungssitz des sogenannten Regno del Sud. Schiffsakten der Marina Militare, eine Ministeriums‑Dokumentation mit Uhrzeiten der Anläufe in Pescara und Ortona sowie die Treccani‑Biografie de Courtens bestätigen den Ablauf und die Staffelung der Einschiffung minutiös. Der 9. September markiert damit den Tag, an dem das politische Zentrum Roms faktisch auseinanderbrach und sich im Süden ein provisorischer, aber handlungsfähiger Staatskern etablierte.

9. September 1943: Das Schlachtschiff Roma sinkt nach Lenkbombentreffern vor Asinara

Ebenfalls am 9. September 1943 erlitt die Regia Marina ihre schwerste Katastrophe. Das Schlachtschiff Roma unter dem Flottenbefehlshaber Admiral Carlo Bergamini wurde am Nachmittag nördlich von Asinara von deutschen Do 217 des Kampfgeschwaders 100 mit Fritz‑X‑Lenkbomben angegriffen. Zwei Treffer führten zu verheerenden Sekundärexplosionen im Munitionsbereich; die Roma zerbrach und sank binnen Minuten. Admiral Bergamini und weit über 1.300 Seeleute kamen ums Leben. Offizielle Chroniken der Marina Militare, ein ausführliches technisches Dossier im Notiziario della Marina und ministerielle Gedenkseiten zum 80. Jahrestag belegen Datum, Ort (Golfo dell’Asinara), Waffentyp und Opferzahl. Der Verlust steht sinnbildlich für die unmittelbaren, tödlichen Folgen der Neuordnung nach dem Waffenstillstand: Teile der zuvor verbündeten deutschen Luftwaffe griffen den italienischen Flottenverband an, der sich gemäß den neuen Weisungen in Bewegung gesetzt hatte.

9. September 1940: Regia Aeronautica bombardiert Tel Aviv

Am 9. September 1940 flog die Regia Aeronautica einen Bombenangriff auf Tel Aviv, damals Teil des britischen Mandats Palästina. Von Stützpunkten im Dodekanes gestartet, griffen italienische Bomber am Nachmittag die Stadt an. Zeitgenössische Presseberichte und spätere Zusammenfassungen nennen diesen Tag als Datum des verlustreichsten Luftangriffs des Krieges auf palästinensischem Boden; die unmittelbar nach dem Angriff gemeldeten Opferzahlen bewegten sich um gut einhundert Tote. Für die Geschichte Italiens markiert der Einsatz ein frühes, offensives Eingreifen Roms in den Luft‑ und Seekrieg des östlichen Mittelmeers – mit politischen und moralischen Konsequenzen, die in der Historiographie Israels und in internationalen Archiven dokumentiert sind. Die tagesgenaue Datierung stützt sich auf die am 9. September 1940 erschienene Ausgabe der hebräischen Tagespresse und auf internationale Agenturmeldungen.

9. September 2017: Goldener Löwe der Biennale di Venezia für The Shape of Water

Am 9. September 2017 endete am Lido di Venezia die 74. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica. Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Annette Bening vergab den Goldenen Löwen für den besten Film an The Shape of Water von Guillermo del Toro. Die offiziellen Preislisten und Pressemitteilungen der La Biennale di Venezia dokumentieren Juryzusammensetzung, Sektionen und die am selben Tag bekannt gegebene Entscheidung. Italien war hier nicht nur Gastgeberin, sondern Kuratorin eines globalen Forums; die exakte Datierung der Verleihung macht den 9. September zugleich zu einem Fixpunkt der jüngeren Kulturgeschichte des Landes.

Ein Datum, viele Geschichten

Der 9. September zeigt in Italiens Geschichte ein dichtes Geflecht von Entscheidungen, Verlusten und Selbstvergewisserungen: In Salerno die Landung der Alliierten und damit die Verlagerung des Krieges auf das Festland; an der Adria die Flucht von König Vittorio Emanuele, Pietro Badoglio und ihrer Entourage auf der Korvette Baionetta; nördlich von Asinara die Vernichtung des Schlachtschiffs Roma unter Admiral Carlo Bergamini; und am Lido di Venezia die internationale Anerkennung einer Kunstnation, die mit dem Goldenen Löwen der Biennale di Venezia jedes Jahr weltweite Aufmerksamkeit bündelt. Alle genannten Vorgänge sind durch amtliche Akten, kuratorische Dokumente und zeitgenössische Berichte tagesgenau auf den 9. September datiert. So entsteht ein historischer Querschnitt, der Italiens Spannweite zwischen Front und Führungskrise, zwischen Regia Aeronautica und Regia Marina, zwischen politischem Umbruch und kultureller Strahlkraft exemplarisch an einem einzigen Tag sichtbar macht.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk