Heute in der Geschichte

Was geschah am 7. September in Italien?

Anagni, Turin, Borodino, Neapel und Venedig: Am 7. September markieren fünf belegte Wendepunkte der italienischen Geschichte einen Bogen vom mittelalterlichen Machtkampf zwischen Krone und Papst über dynastische Kriege und die Einigungsepoche bis zur Kulturpolitik eines weltweit beachteten Filmfestivals.

Der 7. September verdichtet in Italien mehrere Epochen zu klar erkennbaren Kippmomenten. 1303 traf in Anagni der Angriff auf Papst Bonifatius der Achte (Bonifatius VIII.) den Anspruch päpstlicher Suprematie bis ins Mark. 1706 zerschlug vor Turin ein einziges, koordiniertes Gefecht die Belagerung und verschob die Gewichte im Spanischen Erbfolgekrieg. 1812 stand das italienische vierte Korps (IV. Korps) Eugène de Beauharnais’ bei Borodino im mörderischen Feuer. 1860 betrat Giuseppe Garibaldi als Diktator im Namen von Viktor Emanuel II. die Hauptstadt des Südens und beschleunigte die Einigung des Mezzogiorno im damaligen Regno delle Due Sicilie. 2019 schloss die Mostra am Lido mit einem Goldenen Löwen für „Joker“ – ein kulturpolitischer Moment mit internationaler Strahlkraft, bestätigt durch La Biennale di Venezia.

Italien am 7. September

7. September 1303: Der Angriff in Anagni demütigt Bonifatius der Achte und trifft die päpstliche Suprematie

In der Morgendämmerung des 7. September drangen Guglielmo di Nogaret, Jurist am Hof Philipps IV., und Sciarra Colonna mit bewaffneten Gefolgsleuten in Anagni ein, verschafften sich Zugang zum bischöflichen Palast neben der Kathedrale und nahmen Papst Bonifatius der Achte (Bonifatius VIII.) unter Gewaltandrohung fest. Ob es zu einem tatsächlichen Schlag kam oder „nur“ zu einer tiefen symbolischen Demütigung, bleibt umstritten; unstrittig sind Datum, Ort und politische Stoßrichtung: Die Aktion hinderte den Pontifex an der für den Folgetag vorbereiteten Bulle und beschädigte den Nimbus unantastbarer päpstlicher Ordnung. Die Erinnerung an das sogenannte „Schiaffo di Anagni“ ist im Ort bis heute präsent; Darstellungen der Cattedrale di Anagni, einschlägige Lemmata bei Treccani sowie Ortsartikel zu Anagni stützen Datierung und Hergang und verankern den 7. September als Tag des Umschwungs.

7. September 1706: Die Entsatzschlacht vor Turin beendet die französische Belagerung

Nach Monaten von Hunger, Bombardements und Unterminierungsgefechten trafen sich Viktor Amadeus II. (Vittorio Amedeo II.) und Prinz Eugen von Savoyen zu einem konzertierten Entsatzangriff. Die am 2. September bei Superga vereinten Heere manövrierten über die Hügel, stießen am 7. September gegen die Linien der Belagerer vor und durchbrachen sie. Damit wurde Turin vor dem Fall bewahrt, und im piemontesischen Kriegsschauplatz des Spanischen Erbfolgekrieges verschob sich das Kräfteverhältnis zugunsten Savoyens und Habsburgs. Die Turiner Stadtgeschichtsschreibung (MuseoTorino), Akten des Archivio di Stato di Torino sowie städtische Bibliotheksbestände (BCT Torino) dokumentieren die Schlacht auf dieses Datum und machen sie bis heute zu einem wichtigen Erinnerungsort, der in Karten, Chroniken und ikonografischen Serien festgehalten ist.

7. September 1812: Das italienische Korps unter Eugène de Beauharnais kämpft bei Borodino

An der Moskwa trafen am 7. September die Massenheere Napoleons und Kutusows zur blutigsten Entscheidung des Russlandfeldzugs aufeinander. Auf der linken französischen Flanke operierte das IV. Korps des Vizekönigs des Königreichs Italien, Eugène de Beauharnais. Italienische Truppen des Korps – aus der Armata d’Italia und Regimenter des Regno Italico rekrutiert – nahmen am Morgen das Dorf Borodino und wirkten an Angriffen gegen stark befestigte russische Stellungen mit, wobei sie hohe Verluste erlitten. Treccani verzeichnet Datum und Einsatz italienischer Verbände; ergänzend belegen militärhistorische Veröffentlichungen des italienischen Heeres (Esercito Italiano) die Zusammensetzung und das Gefechtshandeln des Korps an diesem Tag.

7. September 1860: Giuseppe Garibaldi zieht als Diktator in Neapel ein

Am Morgen verließ Giuseppe Garibaldi Salerno per Zug und erreichte Neapel ohne ernsthafte Gegenwehr. Am 7. September betrat er die Hauptstadt des Südens, übernahm – vorbereitet von Polizeiminister Liborio Romano – die Diktatur im Namen von Viktor Emanuel II. und veränderte damit die Kräftebalance im Mezzogiorno zugunsten des Einigungsprojekts. Der Einzug markierte in der Abfolge von der Spedizione dei Mille über den Übergang aufs Festland, die Plebiszite und die Schlacht am Volturno einen klar datierten Schritt. Treccani, das Archivio di Stato di Napoli (SIAS) und einschlägige Risorgimento-Beiträge bestätigen den 7. September als Tag des politischen Umschwungs in der damals bourbonischen Hauptstadt des Regno delle Due Sicilie.

7. September 2019: Die Mostra in Venedig vergibt den Goldenen Löwen an „Joker“

Mit der Preisvergabe der 76. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica di Venezia am 7. September 2019 ging ein Festivaljahr zu Ende, das Italiens ältestes Filmforum erneut als Scharnier im Weltkino zeigte. Der Goldene Löwe für Tom Phillips’ „Joker“, getragen von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, unterstrich die internationale Sogwirkung der Lido-Bühne. Offizielle Mitteilungen von La Biennale di Venezia mit Datum 7. September sowie zeitgleiche italienische Medienberichte (u. a. Rai News) bestätigen Entscheidung und Datierung dieses kulturpolitisch bedeutsamen Abschlusses.

Ein Datum, viele Geschichten

Der 7. September erweist sich in Italien als Datum mit seltener Dichte: In Anagni markiert er den offenen Eingriff weltlicher Gewalt in eine bis dahin als unantastbar gedachte päpstliche Ordnung und schärft den Blick auf die Rolle von Akteuren wie Guglielmo di Nogaret und Sciarra Colonna. Vor Turin verknüpft er militärische Innovation, dynastische Strategie und eine bis heute lebendige städtische Erinnerungskultur, die in Beständen von MuseoTorino, dem Archivio di Stato di Torino und der Biblioteca civica (BCT) ablesbar ist. In Borodino steht er für die Bewährung und Verwundbarkeit italienischer Soldaten der Armata d’Italia in einem imperialen Krieg, dessen Schauplatz fern war, dessen Folgen aber bis nach Mailand und Venedig ausstrahlten. In Neapel bündelt er die Dynamik eines nationalen Projekts, das erst im Zusammenspiel lokaler Akteure – vom Polizeiminister Liborio Romano über die plebiszitäre Legitimation bis zur Allianz mit Viktor Emanuel II. – zum Staat wurde. Und am Lido schließt er einen Kreis, in dem Kultur als weiches, doch wirkmächtiges Instrument italienischer Präsenz in Europa und der Welt erscheint; die Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica di Venezia und La Biennale di Venezia setzen so bis in die Gegenwart Akzente, die weit über Italien hinausreichen.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

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