In Venetien ist der Streit über den Einsatz externer Klinikkräfte neu entflammt. Die Regionalrätin Anna Maria Bigon (Partito Democratico) spricht von einer „strukturellen Abhängigkeit“ von sogenannten gettonisti und fordert einen Kurswechsel. Ihre Wortmeldung vom 19. August 2026 bildet den jüngsten Anlass einer Debatte, die Finanzen, Versorgungssicherheit und Personalpolitik der öffentlichen Krankenhäuser betrifft.
Als gettonisti werden in Italien freiberuflich tätige Ärzte und Pflegekräfte bezeichnet, die kurzfristig und oft über Agenturen für Schichten verpflichtet werden. Nach Angaben aus dem Consiglio regionale del Veneto stützen sich Krankenhäuser der Regione del Veneto seit Jahren auf solche Fremdvergaben, um Lücken im Dienstbetrieb zu schließen. Oppositionsvertreter führen an, die Ausgaben dafür seien deutlich gestiegen und träfen Bereiche mit ohnehin langen Wartezeiten. Konkrete Vergleichszahlen zwischen Regionen liegen in den vorliegenden Mitteilungen jedoch nicht einheitlich aufbereitet vor.
Bigon verlangt eine Bestandsaufnahme zu Kosten, Stundenumfang und Auswirkungen auf Qualität und Gleichheit der Versorgung. Sie plädiert für kurzfristige Entlastungen durch gezielte Einstellungen und attraktivere Verträge für Festangestellte sowie für mittelfristige Reformen bei Ausbildungskapazitäten und Vergütung. Die Rolle spezialisierter Vermittlungsfirmen und die Transparenz ihrer Verträge solle der Regionalrat prüfen.
In die Kritik einbezogen wird auch das neue Sistema informativo ospedaliero (SIO). Aus Verona heißt es, die Einführung belaste Abläufe zusätzlich, weil technische Probleme und Schulungsbedarf Personal bänden. An der Azienda Ospedaliera Universitaria Integrata di Verona sei das System nach lokalen Berichten noch nicht vollständig stabil im Einsatz; Verzögerungen würden in Kombination mit Vakanzen den Bedarf an gettonisti verstärken. Diese Einschätzungen stammen von Klinikvertretern und Oppositionspolitikern und sind bislang nur teilweise durch belastbare Betriebsdaten unterlegt.
Die Regione del Veneto verweist auf laufende Auswertungen und Antworten auf parlamentarische Anfragen im Consiglio regionale del Veneto. Detaillierte Berichte zur Kostenentwicklung und zu den Effekten des SIO seien in Vorbereitung; konkrete Veröffentlichungstermine wurden in den öffentlich zugänglichen Mitteilungen nicht genannt.
Die Auseinandersetzung verknüpft finanzielle Steuerung, IT-Umstellung und Personalpolitik. Sollten künftige Berichte eine Mehrbelastung der Budgets und Qualitätsrisiken durch gettonisti belegen, dürfte der Druck auf die Regione del Veneto wachsen, Rekrutierung und Bindung von Stammpersonal zu priorisieren und den Einsatz externer Dienste gezielter zu begrenzen. Bis zur Vorlage konsistenter Zahlen bleibt ein Teil der Vorwürfe politisch zugeschrieben; der Nachrichtenanlass ist die aktuelle Intervention von Anna Maria Bigon, die konkrete Prüfaufträge und einen Zeitplan für Gegenmaßnahmen verlangt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).