In Sardinien spitzt sich der Streit um das Projekt Digital Vault Sulcis zu. Die Unione Sindacale di Base (USB), Federazione del Sociale Sardegna, hat am 4. September 2026 in einem offenen Brief an Regionalpräsidentin Alessandra Todde die Aussetzung des laufenden Genehmigungsverfahrens für das geplante Rechenzentrum im ehemaligen Bergbauareal von Nuraxi Figus (Gemeinde Gonnesa) verlangt. Die Gewerkschaft begründet ihre Forderung mit fehlenden, öffentlich nachvollziehbaren Angaben zum künftigen Wasserverbrauch, zu den vorgesehenen Energiequellen sowie mit fehlenden, verbindlichen Garantien für lokale, unbefristete Beschäftigung und Qualifizierung.
Hintergrund ist ein von Energy Vault in Kooperation mit der regionalen Gesellschaft Carbosulcis vorangetriebenes Vorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Mine Monte Sinni. Geplant ist ein modularer Campus für Rechenzentren, der Anwendungen der Künstlichen Intelligenz und Cloud-Dienste bedienen soll. Der Ministerrat hatte das Programm Anfang August 2026 als von „preminente interesse strategico nazionale“ eingestuft. Diese Einordnung kann Verfahren beschleunigen und Zuständigkeiten bündeln. Die Regionalregierung verweist auf Chancen für industrielle Rekonversion und neue Wertschöpfung im Sulcis.
Die USB konzentriert ihre Einwände auf die Ressourcenlage. Angesichts wiederkehrender Trockenperioden verlangt sie belastbare Prognosen zum Wasserbedarf und die Benennung der konkreten Bezugsquelle. Ebenso fordert sie Klarheit über die Energieversorgung des Standorts. Ohne transparente Daten zu Verbrauchs- und Versorgungsprofilen, so die Gewerkschaft, lasse sich die Vereinbarkeit des Projekts mit regionalen Umwelt- und Entwicklungszielen nicht bewerten. Zudem kritisiert die USB, es fehlten Zusagen für lokale, unbefristete Arbeitsplätze und strukturierte Aus- und Weiterbildungsprogramme, die eine längerfristige Verankerung der Beschäftigung im Gebiet sichern könnten.
Behördliche Stellungnahmen und Medienberichte betonen zwar das wirtschaftliche Potenzial und die Signalwirkung des Projekts, nennen aber bislang keine umfassend veröffentlichten Detailzahlen zu Wasserbedarf und Personalstruktur. Eine formale Reaktion der Regionalregierung auf den USB-Brief lag zunächst nicht vor. Offiziell bestätigte oder geprüfte Zeitpläne für die weiteren Genehmigungsschritte wurden ebenfalls nicht veröffentlicht.
Die Auseinandersetzung markiert einen Prüfstein für den Umgang mit großskaligen Digital- und Industrieprojekten in Sardinien. Sie bündelt zentrale Zielkonflikte: Investitionsbeschleunigung und Modernisierung auf der einen Seite, Schutz knapper Ressourcen und regionale Beschäftigungsperspektiven auf der anderen. Wie die zuständigen Institutionen auf die Forderungen der Unione Sindacale di Base reagieren, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob Digital Vault Sulcis als Referenzfall für eine tragfähige Rekonversion ehemaliger Industriestandorte im Sulcis oder als Auslöser neuer Kontroversen in die regionale Politikgeschichte eingeht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).