In Turin haben Ärztinnen und Ärzte des Ordine Mauriziano di Torino das Screening-Tool CLAP (Comunicazione e Linguaggio in Ambulatorio Pediatrico) vorgestellt. Den aktuellen Anlass bildet die Veröffentlichung einer Pilotstudie im International Journal of Language & Communication Disorders (Ausgabe Juli/August 2026). Regionale Medien, darunter RAI Piemonte, berichteten am 11. August 2026 über den Start des Projekts am Mauriziano.
CLAP ist ein kurzes, altersspezifisches Frageinstrument mit Ja/Nein-Format für Kinder im Alter von 24 bis 72 Monaten. Es liegt in vier Altersmodulen (24–30, 36–42, 48–54 und 60–72 Monate) vor und soll im Rahmen der regulären bilanci di salute, also der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen, eingesetzt werden. Ziel ist es, Kinder mit Verdacht auf eine Developmental Language Disorder (DLD) früh zu identifizieren und gezielt zur weiteren Abklärung zu überweisen.
Laut der nun publizierten Pilotvalidierung wurde CLAP in piemontesischen Praxen der Primärversorgung erprobt und an rund 200 Kindern angewandt. Die Einschätzungen der Kinderärztinnen und Kinderärzte wurden anschließend von Logopädinnen und Logopäden im Blindverfahren überprüft. Die Autorenschaft berichtet, dass das Instrument insbesondere in der Altersgruppe 24–30 Monate eine hohe Sensitivität erreichte. Damit zeichnet sich CLAP als potenziell praktikables Instrument für die erste Triage in der Pädiatrie ab, ohne den Anspruch zu erheben, eine fachlogopädische Diagnostik zu ersetzen.
An der Studie beteiligt waren neben der Pediatric and Neonatology Unit des Ordine Mauriziano di Torino die Università degli Studi di Torino (einschließlich des Studiengangs Logopädie), die Vereinigung Easy Brain APS sowie die regionale Sektion der Società Italiana delle Cure Primarie Pediatriche (SICuPP). Die Publikation betont zugleich Grenzen: Für eine breite Implementierung in der Region Piemonte seien weitere Validierungsphasen, die Festlegung standardisierter Überweisungspfade und die Klärung organisatorischer Fragen in der Primärversorgung erforderlich. Aussagen zu Kosteneffekten oder langfristigen Versorgungsfolgen liegen bislang nicht vor.
Frühzeitige Erkennung von Sprachentwicklungsstörungen erhöht die Chancen auf rechtzeitige Interventionen. Ein standardisiertes, in der Fläche anwendbares Verfahren könnte die Lotsenfunktion der Kinderärztinnen und Kinderärzte stärken und Wartezeiten auf spezialisierte Diagnostik verringern. Ob und in welchem Umfang CLAP jenseits des Pilotprojekts in Turin in die Regelversorgung übernommen wird, hängt von den Ergebnissen weiterer Evaluationsschritte und regionalen Gesundheitsentscheidungen ab.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).