Der Energieökonom Davide Tabarelli hat eine nationale Steuer auf sogenannte „Extraprofitti“ der Branche als riskant kritisiert und stattdessen den Ausbau der Raffineriekapazitäten gefordert. In einem am 25. August 2026 veröffentlichten Interview mit der Corriere della Sera argumentierte der Präsident von Nomisma Energia, eine solche Abgabe schwäche die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und gefährde mittelbar die Versorgungssicherheit. Nachhaltig wirkten nur Investitionen in moderne Raffinerien – auch in Italien.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der in mehreren Hauptstädten über den Umgang mit außergewöhnlichen Gewinnen von Energieunternehmen diskutiert wird. Die EU-Kommission verweist darauf, dass Besteuerungsfragen in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten liegen. In der Regierung in Rom wächst zugleich die Sorge, eine einseitige nationale Lösung könnte heimische Unternehmen gegenüber Wettbewerbern mit milderen Regimen benachteiligen.
Tabarelli begründete seine Skepsis damit, dass die Margen in der Raffination zuletzt zwar gestiegen seien, strukturelle Engpässe aber nur durch mehr Verarbeitungskapazität und verlässlichere Rahmenbedingungen beseitigt würden. Europa habe in den vergangenen Jahren Teile seiner industriellen Basis im Raffineriesektor verloren und damit die Importabhängigkeit erhöht – mit Folgen für Preisvolatilität und Lieferketten. Aus Sicht von Nomisma Energia braucht es daher einen Investitionszyklus in Effizienz, Sicherheit und Emissionsminderung, der ohne Planungs- und Genehmigungssicherheit kaum zu mobilisieren sei.
Politisch prallen kurzfristige und langfristige Ziele aufeinander: Sozial- und Verbraucherverbände drängen angesichts hoher Lebenshaltungskosten auf zusätzliche Entlastungen, finanziert notfalls über Sonderabgaben. Wirtschaftsnahe Stimmen warnen dagegen vor einem Signal, das Investitionen bremst und das Risiko verlagert, dass Produktionen in Regime mit niedrigeren Belastungen ausweichen. Die Regierung in Rom betont, dass ein koordiniertes europäisches Vorgehen den Wettbewerb weniger verzerren würde als nationale Alleingänge.
Klar unterscheidbar sind Tatsachen und Zuschreibungen: Dass das Interview mit Davide Tabarelli am 25. August erschien, dass er Präsident von Nomisma Energia ist und dass die EU-Kommission die Kompetenzfrage den Mitgliedstaaten zuordnet, ist belegt. Einschätzungen zu Wirkungen einer Steuer auf Preise, Investitionen und Versorgungssicherheit sind Bewertungen des Experten und keine gesicherten Befunde. Die Debatte über Extraprofitti bleibt damit ein Abwägen zwischen akuter Entlastung und der Stärkung industrieller Kapazitäten – insbesondere bei Raffinerien in Italien.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).