Euronext und die SDA Bocconi School of Management haben in Rom die Studie „Più Borsa, più crescita: l’Italia delle 1000 quotate“ vorgestellt. Die Autoren modellieren, wie sich eine Ausweitung auf rund 1.000 börsennotierte Unternehmen auf Kapitalmarkt und Realwirtschaft auswirken könnte. Demnach würde die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt steigen; zudem werden positive Effekte auf Wachstum und Beschäftigung als wahrscheinlich ermittelt. Es handelt sich um Szenarien, nicht um kurzfristige Prognosen.
Ausgangspunkt ist ein Markt, der Ende 2025 rund 400 gelistete Unternehmen auf Borsa Italiana und ihren Segmenten zählte, darunter Euronext Growth Milan für kleinere und mittlere Unternehmen. Trotz hoher Gesamtmarktkapitalisierung verzeichnen Aufsicht und Marktbetreiber seit Jahren schwache Neuemissionen sowie eine Welle von Delistings in einzelnen Segmenten, wie Berichte von Consob und Banca d’Italia zusammenfassen. Milano Finanza ordnet auf Basis der Studie einen möglichen Zusatzbeitrag zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt im Prozentpunktbereich ein, wenn die Zahl der Notierungen stark zunimmt. Diese Angaben beruhen auf modellierten Annahmen und sind als Orientierung zu lesen.
Die Analyse benennt strukturelle Hindernisse: geringe Liquidität in Teilen des Marktes, lückenhafte Analystenabdeckung, ein unterentwickeltes Exit-Umfeld für Wagniskapital sowie hohe Transparenz- und Governance-Kosten für kleinere Emittenten. Politisch und regulatorisch verweist die Studie auf den seit 2024 geltenden Reformrahmen der Legge Capitali, der Kapitalmarktlisten, Offenlegungspflichten und Zugangswege für kleine und mittlere Unternehmen vereinfachen soll. Zudem hebt sie Maßnahmen hervor, die private Ersparnisse stärker an den Aktienmarkt binden könnten, ohne die Stabilität der Altersvorsorge zu gefährden.
Euronext-Chef Stéphane Boujnah stellte in diesem Zusammenhang die stärkere Integration der europäischen Kapitalmärkte in Aussicht und betonte die Rolle Italiens innerhalb der Gruppe. Für den italienischen Markt sehen die Autoren einen Handlungsbedarf entlang dreier Linien: erstens eine planbare Regulierungs- und Steuerumgebung, zweitens ein funktionsfähiges Ökosystem für Börsengänge und Sekundärplatzierungen einschließlich Research und Market Making, drittens Anreize für institutionelle und private Anleger, ihr Aktienengagement schrittweise zu erhöhen.
Die möglichen Nebenwirkungen werden explizit benannt: Phasen der Überbewertung, Risiken hoher Konzentration in wenigen Titeln sowie die Gefahr, dass zusätzliche Listings ohne ausreichende Streuung nur begrenzten volkswirtschaftlichen Nutzen stiften. Ob der angestrebte Ausbau gelingt, hängt damit von der Wechselwirkung zwischen Reformen, Marktanreizen und der Bereitschaft der Unternehmen ab, die mit einer Börsennotierung verbundenen Transparenz- und Governance-Standards dauerhaft zu tragen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).