Die Regione Sardegna hat die Zahl der von ihr finanzierten Stipendien für die Ausbildung in Medicina generale für das Triennium 2026–2029 auf 90 erhöht – 30 mehr als bislang. Begründet wird der Schritt mit Engpässen in Binnen- und Landgebieten der Insel. Der aktuelle Beschluss setzt in anderen Regionen eine neue Referenzmarke und hat in Kampanien eine Debatte über zusätzliche Förderlinien ausgelöst.
Ärztevertreter verweisen darauf, dass auch in der Regione Campania die Hausarztversorgung seit Jahren unter Druck steht. Nach landesweiten Daten gab es zuletzt rund 6.000 Bewerbungen für etwa 2.600 Ausbildungsplätze in der allgemeinen Medizinweiterbildung; die Konkurrenz ist damit groß, Engpässe in mehreren Regionen sind absehbar. In Kampanien wurden 2026 zahlreiche „incarichi vacanti“ in der territorialen Versorgung ausgeschrieben – ein weiterer Hinweis auf den strukturellen Mangel. Die Gewerkschaft FIMMG bewertet den sardischen Beschluss als handfestes Signal für eine regionale Gegensteuerung und drängt auf eine rasche Aufstockung der Förderkontingente in Kampanien.
Faktisch ist der Schritt Sardiniens klar umrissen: Mehr Stipendien sollen die Zahl der in Ausbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte erhöhen und mittelfristig die Versorgung stabilisieren; die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Kurzfristige Entlastungen bleiben begrenzt. Für die Regione Campania stellt sich daher die Finanzierungsfrage. In Betracht kommen regionale Mittel, Umschichtungen sowie nationale Instrumente einschließlich des PNRR, das Zusatzstipendien in ausgewählten Gesundheitsbereichen mitträgt. Parallel könnten Übergangsmaßnahmen – etwa Anreize zur Übernahme vakanter Praxen in benachteiligten Zonen, gezielte Ausschreibungen über die ASL und Kooperationen mit Lehrpraxen – Versorgungslücken punktuell mildern.
Zu unterscheiden ist zwischen gesicherten Fakten und politischen Optionen: Fest steht die Aufstockung in der Regione Sardegna auf 90 Plätze. Zugeschrieben werden Ärzten in Kampanien Forderungen nach einer spiegelbildlichen Maßnahme; eine formelle Entscheidung der Regione Campania liegt bislang nicht vor. Für Planungssicherheit der Bewerberinnen und Bewerber wären frühzeitige Ausschreibungstermine, transparente Kriterien und die Benennung der Finanzierungsquellen zentral.
Die Debatte ist exemplarisch für die Dezentralität der italienischen Gesundheitsorganisation: Nationale Rahmen setzen den Korridor, doch die konkrete Ausgestaltung – Anzahl der Stipendien, regionale Schwerpunkte, ergänzende Anreize – liegt bei den Regionen. Ob Neapel (Napoli) dem Cagliari-Signal folgt, hängt nun von der politischen Prioritätensetzung und der Haushaltslage ab. Klar ist: Ohne zusätzliche Ausbildungskapazitäten wird die demografisch bedingte Lücke in der hausärztlichen Versorgung kaum zu schließen sein.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).