Molise

Molise bringt Brüssel-Büro zur Auktion – Vorwürfe der Verschwendung

Die Regione Molise hat ihre Vertretung in Bruxelles an der Rue de Toulouse 47 zur Auktion gestellt. Der Schritt löst scharfe Kritik von Michele Iorio und Andrea Montesanto aus.

Die Regione Molise hat ihre Vertretung in Bruxelles an der Rue de Toulouse 47 zur öffentlichen Auktion gebracht. Der Termin fand am 3. September 2026 statt. Über den Zuschlag und den Erlös lagen bis Redaktionsschluss keine belastbaren amtlichen Angaben vor. Der Vorgang hat unmittelbar politischen Streit ausgelöst: Der frühere Präsident Michele Iorio nannte den Verkaufskurs „kurzsichtig“ und sprach von der Aufgabe eines strategischen Standorts in der Nähe der europäischen Institutionen. Andrea Montesanto von Costruire Democrazia warf der Region hingegen ein „Meisterwerk der Verschwendung“ vor und verwies auf jahrelange Kosten ohne angemessene Nutzung.

Nach Angaben der Regionalverwaltung war das mehrstöckige Gebäude in den vergangenen Jahren aufgrund baulicher Mängel, hoher Betriebskosten und zeitweiliger Unbenutzbarkeit in mehreren Verfahren geprüft worden. Die Giunta regionale hatte wiederholt argumentiert, dass der Investitionsbedarf für Sanierung und Betrieb in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehe. Bereits zuvor waren Sondierungsbekanntmachungen und Anläufe für eine Veräußerung veröffentlicht worden.

Iorio erinnert an die ursprüngliche Zielsetzung, mit einer festen Präsenz in Bruxelles den Zugang zu EU‑Programmen und Fördermitteln zu verbessern. Er sieht den symbolischen und praktischen Verlust an Sichtbarkeit für eine kleine Region wie Molise. Kritiker dieser Sichtweise verweisen dagegen auf die seit Jahren stockende Nutzung, nicht gedeckte Fixkosten und den Befund, dass eine eigenständige Repräsentanz ohne hinreichende Auslastung kaum wirtschaftlich zu betreiben ist.

Montesanto richtet seine Kritik weniger gegen den aktuellen Auktionsschritt als gegen die Bilanz der letzten zwei Jahrzehnte: Aus seiner Sicht hat die öffentliche Hand erst Millionen in Kauf, Unterhalt und Sicherung investiert und stehe nun dennoch vor dem Ausstieg. Er fordert eine transparente Offenlegung der Gesamtkosten und des erzielten Ergebnisses der Auktion, sobald die Region darüber verfügt.

Offen bleibt, wie die Regione Molise künftig ihre Interessen in Brüssel vertritt. Diskutiert werden Kooperationen, geteilte Büroflächen mit anderen Regionen oder eine stärkere Nutzung bestehender Netzwerke. Für die Entscheidung spricht aus Sicht der Befürworter eine mögliche Entlastung des Haushalts; dagegen spricht aus Sicht der Gegner der Verlust eines eigenen Anlaufpunkts und der Signalwirkung. Klar ist: Mit der Auktion ist die Diskussion über Nutzen, Kosten und Alternativen der Präsenz des Molise in der EU‑Hauptstadt neu entfacht.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk