Beiträge in Il Domani d’Italia Anfang September 2026 sowie Panels beim Meeting di Rimini Ende August haben in Italien die Debatte über eine economia civile neu belebt. Der Ansatz rückt Person, Gemeinschaft und Gemeinwohl in den Mittelpunkt wirtschaftlicher Politik. Bereits im Juli war beim Netzwerk NeXt Economia ein Bericht zur „Nuova Economia Sociale e Civile“ vorgestellt worden; im Herbst setzt der Festival Nazionale dell’Economia Civile in Firenze die Diskussion fort.
Inhaltlich geht es um die Frage, wie ökologische, digitale und demografische Übergänge sozial tragfähig gestaltet werden können. Vertreterinnen und Vertreter der Debatte betonen, technische Lösungen reichten nicht aus; nötig seien Vertrauen, starke Zwischenorganisationen und Messgrößen für Wohlbefinden neben dem Bruttoinlandsprodukt. Diskutiert wird dies unter anderem von Renato Brunetta, Präsident des Consiglio Nazionale dell’Economia e del Lavoro, sowie von Ökonomen wie Leonardo Becchetti und Enrico Giovannini. Sie plädieren für einen erweiterten „Werkzeugkasten“ (italienisch: cassetta degli attrezzi), der wirtschaftliche Effizienz, Teilhabe und Resilienz zusammenführt.
Aus den jüngsten Veranstaltungen und Texten lassen sich drei konkrete Forderungslinien ablesen. Erstens: Zivilgesellschaftliche Netzwerke auf lokaler und regionaler Ebene sollen gestärkt werden, um Projekte von Energiegenossenschaften bis zu Sozialunternehmen zu tragen und zu skalieren. Zweitens: Politik und Verwaltung sollen Indikatoren entwickeln und nutzen, die Wohlstand jenseits des BIP erfassen, etwa zu Gesundheit, Bildung, Umweltqualität und sozialem Zusammenhalt. Drittens: Sozialpartner, Genossenschaften und die Sozialwirtschaft sollen systematisch in das Design und die Finanzierung von Übergangsprogrammen eingebunden werden.
Für die Politik würde dies ein breiteres Instrumentenbündel bedeuten: fiskalische Anreize für gemeinwohlorientierte Investitionen, regulative Klarheit für soziales Unternehmertum, sowie Bildungs- und Weiterbildungsangebote, die Kompetenzen für eine digital-ökologische Wirtschaft stärken. Vorgeschlagen werden zudem regionale Beobachtungsstellen, die Daten für eine „neue soziale und zivile Ökonomie“ bereitstellen und evaluieren. Beobachter warnen zugleich vor einem falschen Gegensatz: Ökonomische Leistungsfähigkeit und sozialer Zusammenhalt müssten als sich wechselseitig stützende Ziele gedacht werden, nicht als Alternativen.
Die Auseinandersetzung über economia civile ist damit weniger ein neuer Theorieentwurf als ein politisch-praktisches Programm, das vorhandene Erfahrungen bündelt. Ob und wie Impulse aus Meeting di Rimini, Il Domani d’Italia und NeXt Economia in staatliche Politik und institutionelle Rahmen einfließen, entscheidet sich an konkreten Gesetzes- und Förderentscheidungen. Klar ist: Die italienische Debatte setzt den Maßstab, Übergänge nicht nur technisch, sondern auch sozial zu vermessen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).