HuffPost Italia hat am 21. August 2026 einen Essay von Gaetano Fausto Esposito veröffentlicht, der die classe dirigente als fehlende Infrastruktur wirtschaftlicher Entwicklung in Italien identifiziert. Esposito argumentiert, ohne die Erneuerung politischer und gesellschaftlicher Führungskapazitäten lasse sich nachhaltige Wirtschaftspolitik nicht wirksam umsetzen. Er plädiert für spezifische Ausbildungswege, neue Räume der Partizipation und eine engere Verzahnung von Universitäten, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verwaltungen.
Esposito führt das Führungsdefizit auf mehrere Entwicklungen zurück: den Wandel und die Auszehrung klassischer Parteien, eine unzureichende institutionelle Einbettung von Entscheidungsprozessen sowie die langfristige Erosion industrieller Strukturen. Diese Trends hätten die Mobilisierung territorialer Ressourcen und die Herausbildung belastbarer Führungskreise geschwächt. Die Diagnose ist als Zuspitzung eines anhaltenden Strukturwandels formuliert und versteht sich nicht als statistische Bilanz, sondern als analytische Deutung.
Zur Einordnung knüpft der Autor an Forschungstraditionen über industrielle Räume und regionale Entwicklung an, darunter Alfred Marshall mit der Idee einer „atmosfera industriale“ und die Debatten um die Terza Italia. Der Bezug dient dazu, die Rolle intermediärer Institutionen, lokaler Netzwerke und Vertrauenskapitale für Produktivität und sozial eingebettete Innovation zu unterstreichen.
Als Folgerung fordert Esposito, wirtschaftspolitische Instrumente enger mit gesellschaftlichen und institutionellen Investitionen zu verbinden. Konkret nennt er: lokale Bildungs- und Trainingspfade für politisch-administrative Führungsaufgaben, verlässliche Formen bürgerschaftlicher Beteiligung sowie operative Brücken zwischen Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Ziel sei nicht eine Rückkehr zu früherer Homogenität, sondern der Aufbau einer Entwicklungsinfrastruktur, die territoriale Vielfalt strategisch nutzbar macht.
Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag; die genannten Problembeschreibungen und Vorschläge sind dem Autor zuzuschreiben. Konkrete Gesetzesinitiativen, Zuständigkeiten und Finanzierungswege werden nicht ausgeführt und bedürfen separater politischer und fachlicher Bewertung. Der Beitrag erhält Aktualität durch seine Veröffentlichung und die laufende Debatte über Regierungs- und Verwaltungskapazitäten in Italien; er verknüpft wirtschaftspolitische Ziele mit institutionellen Voraussetzungen und rückt damit die Qualität der Führungsschichten als Politikbereich eigener Art in den Vordergrund.
Hintergrund zur Person liefert das Centro Studi Tagliacarne, mit dem Esposito seit Langem verbunden ist. Der Essay erweitert die Diskussion um Entwicklungspolitik um die Frage, wie Führung systematisch ausgebildet, vernetzt und rechenschaftspflichtig gemacht werden kann – als Voraussetzung, um Strategien jenseits punktueller Förderung tragfähig zu verankern.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).