Luis Durnwalder hat am 29. August zu Einigkeit innerhalb der italienischsprachigen Wählerschaft in Südtirol aufgerufen. Der frühere Landeshauptmann sagte im Sender Tgr Rai Alto Adige, für die Wahl eines Senators im diskutierten Wahlkreis Bozen–Unterland (Bolzano–Bassa Atesina) brauche es einen gemeinsamen italienischen Kandidaten. Anlass ist ein Vorschlag zur Neuziehung des Senatswahlkreises, der in Rom von Fratelli d’Italia vorangetrieben wird und die Chancen eines italienischsprachigen Mandats erhöhen soll.
Kern des Vorstoßes ist, mehrheitlich deutschsprachige Gemeinden aus dem betroffenen Gebiet herauszunehmen und stärker italienischsprachige Zonen zu gewichten. Kritiker innerhalb der Südtiroler Volkspartei und anderer Kräfte warnen, dies könne das fein austarierte Sprachengleichgewicht untergraben. Befürworter verweisen dagegen auf eine aus ihrer Sicht unzureichende Vertretung der italienischsprachigen Bevölkerung im Senat.
Durnwalder, der über Jahrzehnte die Autonomiefragen des Landes mitgeprägt hat, verknüpfte seine Mahnung mit einer praktischen Wahlkampflogik: Ohne Absprachen über einen gemeinsamen Namen drohten zersplitterte Kandidaturen und damit ungenutzte Stimmen. Er plädierte für parteiübergreifende Verständigungen innerhalb der italienischen Gemeinde, um Konkurrenzsituationen zu vermeiden und die Erfolgsaussichten zu bündeln.
Die Debatte hat eine verfassungs- und autonomiepolitische Dimension. Änderungen an Wahlkreisen in der Provinz Bozen berühren nach Einschätzung der Landesregierung das Autonomiestatut und damit auch historisch gewachsene Schutzmechanismen für Sprachgruppen. Landeshauptmann Arno Kompatscher und Vertreter der Südtiroler Volkspartei hatten bereits zuvor betont, mögliche Anpassungen müssten rechtlich sauber geprüft und mit Blick auf die Garantien der Autonomie abgeglichen werden. Konkrete Gesetzestexte, die die Neuziehung bereits verbindlich festschreiben, liegen derzeit nicht vor; die Beratungen laufen auf parlamentarischer Ebene.
Für die politische Taktik ist damit vor allem zweierlei offen: Zum einen, ob und in welcher Form die Neuziehung tatsächlich beschlossen wird. Zum anderen, wie die italienischsprachigen Parteien und Listen im Raum Bozen und im Unterland reagieren. Sollte der Vorschlag in Kraft treten, rücken Absprachen über gemeinsame Listen, Vorwahlen oder klare Kandidaturen in den Mittelpunkt. Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen sendet Durnwalders Appell ein Signal: Die Frage nach Repräsentanz in Rom wird in Südtirol derzeit nicht nur administrativ, sondern vor allem strategisch und politisch verhandelt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).