Vorläufige Zahlen des Statistikamts Istat weisen für 2025 rund 109.000 Ausreisen italienischer Staatsbürger aus. Nach dem Rekordjahr 2024 mit etwa 141.000 Fortzügen ist das ein deutlicher Rückgang. Der negative Wanderungssaldo (Saldo migratorio) der italienischen Staatsangehörigen verringerte sich damit von minus 83.000 im Jahr 2024 auf minus 53.000 im Jahr 2025. Istat betont den vorläufigen Charakter der Angaben.
Trotz des Rückgangs bleibt der demografische Befund belastend: Die Geburtenrate ist niedrig, die Bevölkerung altert. Nach Darstellung von Istat kompensiert Zuwanderung Teile der negativen natürlichen Bilanz, ersetzt sie aber nicht vollständig. Die Auswanderung 2025 liegt gleichwohl deutlich über dem Niveau, das Italien vor gut einer Dekade gewohnt war, und sie konzentriert sich weiterhin auf Altersgruppen im Erwerbsalter.
Die internationale Einordnung fällt nüchtern aus. Die OECD hebt in ihrer Analyse 2026 hervor, dass im Zeitraum 2012 bis 2023 über 400.000 junge Menschen im Alter von 18 bis 34 Jahren Italien verlassen haben. Unter den Abgewanderten ist der Anteil mit Hochschulabschluss überdurchschnittlich hoch. Das verstärkt den Druck auf Produktivität, Innovation und regionale Entwicklung und nährt die Debatte über den sogenannten Brain drain.
Räumliche Muster innerhalb Italiens verschieben sich nur langsam. Abwanderung aus dem Mezzogiorno Richtung Norden bleibt ein strukturelles Thema, auch wenn die gesamtstaatlichen Ausreisezahlen 2025 gefallen sind. Regionen mit schwacher Beschäftigungsdynamik verlieren damit doppelt: an Bevölkerungszahl und an Qualifikation.
Politisch ergeben sich daraus zwei, teils gegenläufige Aufgaben. Erstens gilt es, die Nettoabwanderung zu begrenzen – etwa durch bessere Studien- und Arbeitsbedingungen, schnellere Berufseingangsphasen und verlässliche Karrierepfade. Zweitens muss Italien international attraktiv bleiben, um qualifizierte Zuwanderung zu gewinnen. Istat und OECD liefern hierzu die Bezugsgrößen; eine genaue Ursachenanalyse der jüngsten Bewegung ist jedoch kein Gegenstand der vorliegenden Statistik.
Für die nächsten Monate sind präzisere Istat-Revisionen zu erwarten. Erst sie werden zeigen, ob der Rückgang 2025 den Beginn einer Trendumkehr markiert oder eine technische Korrektur nach dem außergewöhnlich hohen Jahr 2024 darstellt. Klar ist bereits jetzt: Ohne eine breitere Basis an qualifizierten Arbeitskräften werden Wachstumsaussichten und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in Italien weiter unter Druck stehen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).