Apulien zieht im Kampf gegen überlange Wartelisten das Tempo an. Präsident Antonio Decaro präzisierte Ende August und Anfang September 2026 die Maßnahmen der zweiten Phase des regionalen Programms und kündigte zusätzliche Kontrollen in Krankenhäusern und bei konventionierten Anbietern an. Hintergrund ist der anhaltende Rückstau bei fachärztlichen Untersuchungen und diagnostischen Leistungen, der durch den neuen nationalen Plan zur Steuerung der Wartelisten 2026 bis 2028 erneut auf die politische Agenda gerückt ist.
Nach Angaben der Regionalverwaltung sollen ein koordiniertes zentrales Terminvergabesystem (CUP), erweiterte Öffnungszeiten der Ambulanzen, die stärkere Nutzung der Case di Comunità sowie ein engmaschiges Monitoring der Angemessenheit von Verordnungen und Terminvergaben durch die ASL für Entlastung sorgen. Die Region verweist auf kurzfristig verfügbare Mittel und ein Verwaltungsinstrument zur laufenden Überwachung. Die lokalen Gesundheitsbehörden sind aufgefordert, bis Mitte September 2026 operative Programme vorzulegen.
Die Debatte erhielt neue Schärfe, nachdem die Online-Publikation Nurse Times am 4. September 2026 Decaro mit der Aussage zitierte, einige Ärzte hätten ein Interesse daran, dass die Wartelisten nicht reduziert werden. Die Regionalregierung bestätigte die Einleitung von Überprüfungen und die Ankündigung disziplinarischer und verwaltungsrechtlicher Schritte bei festgestellten Unregelmäßigkeiten, nahm zum genauen Wortlaut jedoch keine Stellung. Die Zuschreibung des Satzes bleibt damit an die Berichterstattung von Nurse Times gebunden.
Kritik kommt aus dem Regionalrat und von Berufs- und Gewerkschaftsvertretern. Oppositionspolitiker werfen der Regierung vor, mit administrativen Kniffen wie der Stornierung überalterter Buchungen die Statistiken zu schönen, ohne das Versorgungsangebot tatsächlich zu erweitern. Gewerkschaften fordern eine strukturelle Personalaufstockung, verlässliche Einstellungspläne und Investitionen in die Primärversorgung. Die Region entgegnet, ohne transparentes Terminmanagement, klare Priorisierungen und Sanktionen gegen Datenmanipulationen ließen sich die Wartezeiten nicht nachhaltig senken.
Für die zweite Phase setzt Apulien auf administrative Beschleunigung und enges Controlling. Ob dies die strukturellen Engpässe bei Personal, Infrastruktur und in der territorialen Versorgung kompensiert, ist offen. Maßgeblich für eine Bewertung werden die bis Mitte September erwarteten Umsetzungspläne der ASL und deren praktische Wirkung auf die tatsächlichen Zugangszeiten sein. Der nationale Rahmenplan gibt dafür Ziele und Mindeststandards vor; die Verantwortung für die operative Durchführung liegt jedoch bei den Regionen. In Apulien ist nun die Vereinbarkeit von kurzfristiger Steuerung über das CUP und dem langfristigen Kapazitätsaufbau der Prüfstein.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).