Wirtschaft

150 Gigawatt Erneuerbare in Italien blockiert trotz Beschleunigungsdekret

Ein Monat nach Veröffentlichung des Energie‑Beschleunigungsdekrets bleiben in Italien rund 150 Gigawatt an Wind- und Solarprojekten in Genehmigungen, Netzanschlüssen und lokalen Konflikten stecken. Die Antitrust warnt vor Risiken für die 2030‑Ziele, Terna und Ministerium…

Ein Monat nach der Veröffentlichung eines Beschleunigungsdekrets im Amtsblatt Gazzetta Ufficiale am 8. August 2026 melden Branchenkreise: Rund 150 Gigawatt an Projekten für erneuerbare Energien stecken in Italien weiterhin fest. Die Zahl bezeichnet die in Anträgen gebundene, noch nicht ans Netz gebrachte Leistung vor allem bei Wind- und Solarparks. Sie basiert auf aggregierten Projektlisten von Unternehmen und Verbänden und ist kein offizielles Register.

Der Stau hat mehrere Ursachen. Erstens bleiben Genehmigungsverfahren zwischen Staat und Regionen komplex und mehrstufig. Zweitens sind verfügbare Netzanschlüsse ein Engpass, den der Übertragungsnetzbetreiber Terna nur mit parallelen Ausbauten und besserer zeitlicher Abstimmung von Projekten und Leitungen beheben kann. Drittens verzögern lokale Konflikte nach dem NIMBY‑Muster einzelne Vorhaben erheblich, selbst wenn sie technisch und planungsrechtlich fortgeschritten sind.

Die Antitrust hatte bereits am 3. August öffentlich auf ökonomische Risiken und Wettbewerbsverzerrungen hingewiesen, falls administrative Hindernisse nicht schneller beseitigt werden. Sie empfiehlt klarere Zuständigkeiten, verbindliche Fristen und ausgewogene Anreize für Gemeinden. Das Energieministerium unter Gilberto Pichetto Fratin verweist zugleich darauf, dass Italien bei Neuinstallationen im Plan liege; die Umsetzung der jüngsten Rechtsänderungen soll die Verfahrensdauer weiter senken.

Wirtschaftsverbände und Unternehmen wie Enel Green Power mahnen jedoch, die Projektpipeline nicht mit kurzfristig verfügbaren Kapazitätszuwächsen zu verwechseln. Neben beschleunigten Genehmigungen seien zusätzliche Investitionen in Netzinfrastruktur, Speicher und Repowering nötig, um eine verlässlich integrierte Einspeisung zu ermöglichen. In der Debatte sind ausgewiesene Eignungsgebiete für Erneuerbare, strengere Fristen in allen Verfahrensstufen sowie finanzielle Ausgleichsmechanismen, um lokale Akzeptanz zu erhöhen.

Nach der Drucksache im Amtsblatt kündigten Regierungsstellen weitere Umsetzungsakte an. Medienberichte, darunter La Stampa, beziffern das kurzfristig zu mobilisierende Investitionsvolumen im Zuge der neuen Regeln auf mehrere Dutzend Milliarden Euro. Ob und wie schnell daraus flächendeckende Kapazitätszuwächse entstehen, hängt von der praktischen Anwendung der Fristen, der Koordination zwischen Flächen- und Netzplanung sowie von der Durchsetzung gegenüber widersprechenden lokalen Vorgaben ab. Branchenverband Elettricità Futura und Unternehmen drängen deshalb auf eine enge Abstimmung zwischen Rom, Regionen und Terna, um die 2030‑Ziele erreichbar zu halten.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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