Heute in der Geschichte

Was geschah am 26. September in Italien?

Vom venezianischen Mörserschuss, der am 26. September 1687 den Parthenon zerriss, bis zur Fernsehpremiere einer Dauerbrennerserie im Jahr 2000: Der 26. September bündelt in Italien Kriegserfahrung, Verfassungspolitik, außenpolitische Positionsbestimmung, mafiöse Gewalt und staatlichen Katastrophenschutz – und schlägt Bögen

Der 26. September ist in der italienischen Geschichte ein Datum harter Zäsuren und klarer Positionsbestimmungen. Eine venezianische Entscheidung im Morea‑Krieg zerstörte unwiederbringliches Kulturerbe, die Verfassunggebende Versammlung rang im Rom der Nachkriegsjahre offen um Regierungslegitimität und Kurs, die Camera dei deputati markierte unmittelbar nach dem Staatsstreich in Santiago die außenpolitische Linie Italiens, in Sizilien traf ein Auftragsmord eine zivilgesellschaftliche Stimme – und in Umbrien und Marken beschleunigten zwei starke Erdstöße den Lernprozess von Protezione Civile und Vigili del Fuoco beim Schutz von Leben und Kulturgütern. Selbst die Populärkultur meldete sich an diesem Tag mit einem langlebigen Format. Die folgenden, auf den 26. September genau datierten Ereignisse verknüpfen italienische Akteure, Orte und Institutionen mit europäischem und globalem Echo.

Italien am 26. September

26. September 1687: Venezianisches Feuer zerstört den Parthenon in Athen

Im Morea‑Krieg ließ der venezianische Oberbefehlshaber Francesco Morosini die Akropolis beschießen, auf der sich die osmanische Garnison verschanzt hatte. Am 26. September 1687 traf eine Mörserbombe den als Pulvermagazin genutzten Parthenon und sprengte weite Teile des Tempels, einschließlich großer Partien des Kolonnadengürtels und der Cella. Treccani datiert den Treffer ausdrücklich auf den 26. September und schildert die militärische Konstellation – die Belagerung unter Morosini und die Rolle des Grafen Königsmarck – sowie die Nutzung des Tempels als Munitionsdepot, die die Katastrophe begünstigte. Venedigs Einnahme von Stadt und Akropolis folgte kurz darauf; der Preis war ein europaweit wahrgenommener Verlust antiker Substanz, der die Ambivalenz zwischen militärischem Erfolg und kultureller Verwundung offenlegte. Für die italienische Geschichte steht dieser Tag daher doppelt: als Moment republikanischer Seemachtpolitik der Repubblica di Venezia und als mahnendes Exempel, wie moderne Kriegführung das gemeinsame Erbe Europas treffen kann. Quellen belegen zudem Morosinis anschließenden, fehlgeschlagenen Versuch, Skulpturen als Trophäen zu bergen.

26. September 1947: Die Verfassunggebende Versammlung verhandelt Misstrauen gegen De Gasperi

In Rom trat die Assemblea Costituente unter dem Vorsitz von Umberto Terracini zur Sitzung CCXXXIV zusammen. Die Stenografischen Protokolle halten fest: „La seduta comincia alle 16“ und „La seduta termina alle 19.55“. Aufgerufen wurden drei Misstrauensanträge gegen das Kabinett Alcide De Gasperi. Pietro Nenni eröffnete, Palmiro Togliatti folgte mit der kommunistischen Begründung, und De Gasperi erwiderte ausführlich. Die Debatte verband Tagespolitik und Verfassungsarbeit eng miteinander: Sie kreiste um öffentliche Ordnung, Presse- und Versammlungsfreiheit, wirtschafts- und währungspolitische Stabilisierung sowie um das Verhältnis von Opposition und Regierung in der jungen Republik. Der 26. September 1947 steht damit exemplarisch für die konfliktreiche Selbstvergewisserung der italienischen Demokratie im Entstehungsprozess ihrer Grundordnung – belegt durch das offizielle Resoconto, das die Anträge, Rednerfolgen und die genaue Sitzungsführung dokumentiert.

26. September 1973: Die Camera dei deputati verurteilt den Putsch in Chile

Nur zwei Wochen nach dem Staatsstreich in Santiago befasste sich die Camera dei deputati am 26. September 1973 in der VI. Legislatur mit Italiens Haltung. Der Resoconto stenografico der „Seduta del 26 settembre 1973“ dokumentiert die Erklärung des Außenministers Aldo Moro und die Debatte über die Konsequenzen gegenüber der Militärjunta. Moro erinnerte an die bereits am 13. September übermittelte Verurteilung der Verletzung demokratischer Prinzipien und erläuterte die Abwägung zwischen Menschenrechten, Schutz von Landsleuten und diplomatischen Schritten. Der Tag markiert eine klare, parlamentarisch abgestützte Positionsbestimmung der italienischen Außenpolitik gegenüber einer Militärdiktatur in Lateinamerika – getragen von einer breiten Mehrheit, wie die Protokolle und zeitgenössische Einordnungen zeigen.

26. September 1988: Mafiakiller erschießen den Journalisten Mauro Rostagno bei Valderice

Am Abend des 26. September 1988 fiel der Soziologe und Journalist Mauro Rostagno bei Lenzi, einem Ortsteil von Valderice in der Provinz Trapani, einem Auftragsmord der Cosa Nostra zum Opfer. Innenministeriale Erinnerungsnoten und Agenturberichte halten Tatort und Datum fest. Die justizielle Aufarbeitung zog sich über Jahrzehnte, bis der Kassationshof am 27. November 2020 die lebenslange Haft für den Auftraggeber Vincenzo Virga bestätigte; der mutmaßliche Schütze Vito Mazzara war in der Revisionsinstanz freigesprochen worden. Rostagno, der Missstände im Lokalfernsehen offenlegte und in der Drogenhilfe arbeitete, steht für eine Zivilgesellschaft, die auch unter Bedrohung Öffentlichkeit herstellt. Der 26. September ist so zum Mahntag gegen mafiöse Einschüchterung geworden – in Sizilien wie im ganzen Land.

26. September 1997: Zwei starke Erdstöße in Umbrien und Marken verwüsten Assisi

In der Nacht um 02:33 Uhr und erneut um 11:42 Uhr erschütterten zwei schwere Beben die Regionen Umbrien und Marken. Das Dipartimento della Protezione Civile dokumentiert Magnituden, Schäden und den ikonischen Einsturz eines Teils der freskenverzierten Gewölbe der Basilica di San Francesco in Assisi. Vier Menschen – zwei Franziskaner und zwei Techniker der Denkmalpflege – starben in der Oberkirche. Der Corpo Nazionale dei Vigili del Fuoco rekonstruierte Einsätze und Zerstörungen; die Gazzetta Ufficiale veröffentlichte am 30. September 1997 den Dekretstext des Präsidenten des Ministerrats vom 27. September, der ausdrücklich den Notstand „nach dem am 26. September 1997 begonnenen seismischen Ereignis“ erklärte. Der Wiederaufbau gelang zügig, doch das Ereignis prägte dauerhaft den Katastrophenschutz Italiens: vom Schutz beweglichen Kulturguts über Bauwerksdiagnostik bis zur Verzahnung von Einsatz, Wissenschaft und Restaurierung.

26. September 2000: Canale 5 startet die Serie „Distretto di Polizia“

Am Dienstag, dem 26. September 2000, sendete Canale 5 die Pilotfolge „L’agguato“ der neuen Polizeiserie „Distretto di Polizia“. Die offizielle Plattform Mediaset Infinity weist das Erstausstrahlungsdatum dezidiert aus; Überblicksseiten bestätigen die Programmierung der ersten Staffel ab diesem Tag. Die in Rom im Kommissariat X Tuscolano angesiedelte Serie verband Verfahrensdramaturgie und Alltagsbeobachtung und prägte über Jahre das Genre in Italien – ein kulturindustrieller Auftakt, der im Rückblick ebenso eindeutig auf diesen Kalendertag fällt wie die politischen und historischen Wegmarken zuvor.

Ein Datum, viele Geschichten

Der 26. September zeigt Italien im Brennglas: eine Republik, die im 17. Jahrhundert militärisch handelt und zugleich am europäischen Kulturerbe rührt; eine junge Demokratie, die 1947 im offenen Parlamentsstreit ihren Kurs bestimmt; ein Parlament, das 1973 eine klare, wertebasierte Außenpolitik gegenüber einer Militärdiktatur formuliert; eine Zivilgesellschaft, die sich 1988 einer mörderischen Mafia stellt; und ein Staat, der 1997 seinen Katastrophenschutz professionalisiert und ihn mit dem Schutz von Kunst und Geschichte verknüpft. Dass an demselben Datum 2000 ein populäres Fernsehformat startet, erinnert daran, wie sehr kulturelle Muster und Alltagsbilder die öffentliche Wahrnehmung prägen. Gerade weil alle hier erzählten Vorgänge exakt auf den 26. September datieren, leuchtet sichtbar ein, wie konkret sich Italiens Geschichte in Entscheidungen, Reaktionen und Lernprozessen verdichtet – von der Repubblica di Venezia bis zur Protezione Civile.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen