Triest, 15. Oktober 2026 – In Triest ist der Kongress „Infermieristica 2036: competenze avanzate, attrattività e leadership per la sanità del futuro“ über die Bühne gegangen. Ausgerichtet von OPI Trieste an der MIB Trieste School of Management, bündelte die Tagung Beiträge aus mehreren Regionen und aus der Wissenschaft. Mitwirkende Institutionen waren unter anderem die Azienda sanitaria universitaria Giuliano Isontina (ASUGI) und die Università degli Studi di Trieste.
Im Mittelpunkt standen drei Vorhaben: Erstens der Ausbau postgradualer Spezialisierungen und akademischer Weiterbildung für Pflegekräfte. Diskutiert wurden Masterstudiengänge, modulare Spezialisierungen und die stärkere Verankerung evidenzbasierter Praxis. Zweitens Maßnahmen zur Personalbindung und zur Erhöhung der Berufsattraktivität, etwa strukturierte Einarbeitung, Mentoring und planbare Arbeitszeiten. Drittens organisatorische Reformen zur besseren Verzahnung von Krankenhaus, wohnortnahen Diensten und Langzeitpflege, unterstützt durch Daten, die pflegerische Leistungen sichtbar machen.
Mehrere Rednerinnen und Redner forderten klare nationale Leitplanken: einheitliche Profile für erweiterte Rollen, verbindliche Karrierepfade im öffentlichen Dienst sowie finanzielle Anreize für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. Zugleich hoben die Veranstalter hervor, dass gesetzliche Regelungen und Budgetentscheidungen beim Ministero della Salute und den Haushaltsinstanzen liegen. Konkrete Beschlüsse wurden auf der Tagung nicht gefasst.
Für die Einordnung ist wichtig: Vor Ort wurden keine neuen, verifizierten Zahlen zu Personalgewinnen, Kosten oder Effizienzgewinnen vorgelegt. Viele Aussagen waren programmatisch, als Vorschläge oder Erwartungen an die Politik formuliert. Der Kongress markiert dennoch einen abgestimmten fachlichen Impuls, um bis 2036 Kompetenzen zu präzisieren, Verantwortung auszuweiten und Führungsaufgaben im Pflegedienst systematisch zu entwickeln.
Der Zeitpunkt ist für die Region Friuli Venezia Giulia und darüber hinaus bedeutend. In ganz Italien ringen Einrichtungen des Servizio Sanitario Nazionale mit Nachwuchs- und Bindungsproblemen, die sich während und nach der Pandemie verschärft haben. Laut Beteiligten sollen die in Triest diskutierten Ansätze in regionale Pilotprojekte einfließen und – bei entsprechender nationaler Rahmensetzung – als Modelle für andere Regionen dienen. Ob und wann daraus verbindliche Standards werden, hängt von anstehenden Entscheidungen in Rom und den Haushaltsverhandlungen in den Regionen ab.
Unabhängig vom politischen Prozess bleibt die Erwartung, dass klare Kompetenzprofile, planbare Entwicklungsschritte und evidenzbasierte Organisation die Attraktivität des Berufs erhöhen und die Versorgungsqualität stabilisieren können. Die Ergebnisse des Kongresses dienen dafür als Arbeitsgrundlage, nicht als Abschluss.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).