Im italienischen Senat ist am 9. Oktober 2026 die erste landesweite Kartierung von Unternehmen vorgestellt worden, die Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stellen. Die Untersuchung „L'economia dell'Intelligenza Artificiale. La mappa delle Imprese AI-focused in Italia“, erstellt von InfoCamere in Kooperation mit der Universität Padua für Digitalmeet 2026, weist zum Jahresende 2025 insgesamt 14.840 derartige Firmen aus. Der Präsentationsort war der Palazzo Madama.
Die Autoren dokumentieren ein junges, stark fragmentiertes Ökosystem: 72 Prozent der gelisteten Unternehmen wurden zwischen 2021 und 2025 gegründet, 93,1 Prozent sind Mikrounternehmen. Schwerpunktfelder liegen in Software und Algorithmen, Cloud-Infrastrukturen sowie Robotik und Automatisierung. Für 2024 ermittelt die Studie einen medianen Wertschöpfungsbeitrag je Beschäftigtem von rund 50.400 Euro, etwa 9,8 Prozent über einem herangezogenen Vergleichsniveau. Zugleich konzentriert eine kleine Gruppe von Firmen einen großen Anteil der Gesamtwertschöpfung.
Als wesentliches Hemmnis wird der Mangel an qualifiziertem Personal benannt, verbunden mit Defiziten in digitalen Kernkompetenzen. Die Studie empfiehlt, die tertiäre Ausbildung und digitale Grundkompetenzen gezielt zu stärken. Genannt werden Brückenprojekte, die Universitäten, Entwicklungspartner und Anwenderunternehmen zusammenführen, um Innovationsangebote spezialisierter Anbieter mit den Bedarfen kleiner und mittlerer Unternehmen zu verknüpfen. Diese Vorschläge sind Empfehlungen der Verfasser; politische Beschlüsse dazu liegen nicht vor.
Offen bleibt laut Bericht, wie sich Wertschöpfung regional verteilt und wie qualitative Effekte des KI-Einsatzes in traditionellen Industrie- und Dienstleistungsprozessen verlässlich gemessen werden können. Die Frage, ob staatliche Förderprogramme und Bildungsreformen die identifizierten Lücken zügig adressieren, ist eine Einschätzung der Autoren und keine gesicherte Prognose.
Hintergrund: InfoCamere betreibt das italienische Unternehmensregister der Handelskammern und kann dadurch Gründungsjahrgänge und Rechtsformen systematisch auswerten. Die Universität Padua steuerte die wissenschaftliche Methodik bei. Digitalmeet 2026 setzt in diesem Jahr thematische Schwerpunkte zu Anwendung und Governance von Künstlicher Intelligenz in Wirtschaft und Verwaltung. Mehrere Präsentationsbeiträge verwiesen auf internationale Vergleichszahlen, wonach Italien bei der betrieblichen Nutzung von KI aufholt, aber im europäischen Vergleich weiterhin hinter führenden Volkswirtschaften zurückliegt.
Die Studie ist nach heutigem Stand der Berichterstattung das erste konsolidierte, registerbasierte Mapping der AI-focused-Unternehmen in Italien. Ihre weitere Rezeption dürfte davon abhängen, ob sie zur Grundlage für Programme der Kompetenzförderung und für die Vernetzung zwischen Forschung und Mittelstand wird.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).