Rom, 6. Oktober 2026 — Ein neuer Videoappell von Richard Gere zur italienischen Migrationspolitik hat in Italien sofort politische Reaktionen ausgelöst. Der US-Schauspieler wandte sich am 5. Oktober mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit, die die Menschenrechtsorganisation ActionAid veröffentlichte. Anlass ist der Report „Trattenuti“, der Italiens Praxis administrativer Haft in den Centri di permanenza per il rimpatrio (CPR) und deren Ergebnisse bis 2025 untersucht.
Gere spricht sich darin gegen Abschottung, lange Detention und die Auslagerung von Grenzkontrollen aus. Migration lasse sich, so sein Appell, ohne unmenschliche Bedingungen und ohne Schwächung des Asylrechts steuern. Er koppelt seine Kritik an die Forderung nach mehr Transparenz, wirksamen Verfahren und Garantien für Grundrechte.
Matteo Salvini, Vizepremier, Infrastrukturminister und Vorsitzender der Lega, reagierte am selben Tag in sozialen Medien mit scharfer persönlicher Kritik. Er bezeichnete Gere als „radical chic“, forderte ihn auf, „Schauspieler zu bleiben“ und verwies auf frühere Auseinandersetzungen um die Open Arms, bei der Gere Hilfsorganisationen unterstützt hatte. Inhaltlich verteidigte Salvini den Kurs der Regierung, der auf Kontrolle, Rückführungen und Kooperationen mit Drittstaaten setzt.
Die Tatsachenlage: Das Video von Richard Gere wurde am 5. Oktober publiziert und durch ActionAid verbreitet. Der parallel vorgestellte Bericht „Trattenuti“ bündelt Beobachtungen zu CPR, darunter Angaben zur Dauer der Verwahrung, zu rechtlichen Garantien und zum Verhältnis zwischen Haftumfang und tatsächlich vollzogenen Abschiebungen. Nach Darstellung von ActionAid führt mehr Detention nicht automatisch zu mehr Rückführungen und birgt Risiken für Grund- und Verfahrensrechte.
Die politisch-strategische Einordnung bleibt umstritten. Regierungsvertreter verweisen auf staatliche Steuerung und Sicherheitserfordernisse. Menschenrechtsorganisationen mahnen rechtsstaatliche Standards an und kritisieren intransparente Praxis in CPR. Die erneute Personalisierung des Streits – prominent zugespitzt zwischen Richard Gere und Matteo Salvini – lenkt die Aufmerksamkeit auf Grundsatzfragen der Migrationsverwaltung in Italien und deren Wirksamkeit.
Offen bleibt, ob der Bericht „Trattenuti“ kurzfristig Änderungen in Verwaltungspraxis oder Gesetzgebung anstößt. Klar ist allerdings, dass das Thema erneut hohe mediale und parlamentarische Aufmerksamkeit erhält: Der Konflikt um Ziele, Mittel und Grenzen migrationspolitischer Maßnahmen wird in den kommenden Tagen auf die Agenda von Regierung und Opposition zurückkehren.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).