Das Ordine dei Dottori Commercialisti e degli Esperti Contabili di Napoli hat Anfang September eine Partnerschaft mit dem Trust‑Dienstleister Namirial bekanntgegeben. Der Berufsverband bietet damit einen lokalen Wallet‑Dienst für digitale Identitäten an und befähigt angeschlossene Kanzleien, als Registrierungsbeauftragte (Registration Authority Officer) zu agieren. Nach Verbandsangaben und übereinstimmender Berichterstattung in Fachmedien umfasst die Tätigkeit die persönliche Identifikation, die Auslösung qualifizierter elektronischer Signaturen und die Aktivierung einschlägiger Zertifikate im Auftrag von Mandanten.
Der Schritt fällt in die laufenden Umsetzungsarbeiten zum nationalen IT‑Wallet in Italien und zur erwarteten europäischen Konvergenz mit dem EUDI Wallet. Anbieter wie Namirial stellen die technische Plattform und die Betriebsprozesse bereit, über die lokale Intermediäre in die Identitätsinfrastruktur eingebunden werden. Aufsichtsbehörden arbeiten parallel an Detailvorgaben: Die Agenzia per l’Italia Digitale präzisiert technische und organisatorische Anforderungen, während der Garante per la protezione dei dati personali Datenschutzfragen und Interoperabilität im Blick hat. Über einen Zeitplan für eine Ausweitung über die Provinz Neapel hinaus liegen keine Angaben des Ordine vor.
Für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Neapel verlagert die neue Rolle zentrale Identifikationsschritte in etablierte Berufskanäle. Die Registrierung im Sistema Pubblico di Identità Digitale (SPID), die Aktivierung qualifizierter Signaturen und die Wallet‑basierte Authentifizierung können damit dezentral über die Kanzleien erfolgen. Das verspricht schnellere Abläufe bei der Mandantenerfassung und geringere Wegezeiten, erhöht aber zugleich die regulatorischen Pflichten der Berufsstellen. Insbesondere sind Vorgaben zu Datenschutz, sicherer Schlüsselverwaltung, Dokumentation und Sorgfaltspflichten bei Finanztransaktionen einzuhalten.
Die praktische Wirkung hängt von der technischen Integration mit dem nationalen IT‑Wallet, der Stabilität der bereitgestellten Dienste und der Ausgestaltung der Aufsicht ab. Sollte sich das Modell bewähren, könnte es als Blaupause für weitere Kammern und Berufsverbände dienen. Verbindliche Aussagen hierzu lagen am Tag der Bekanntgabe nicht vor; die Einordnung als Pilotanwendung erfolgt durch die beteiligten Institutionen und durch Fachpublikationen. Klar ist: Mit der Einbindung berufsständischer Strukturen rückt die digitale Identität näher an die Alltagsprozesse kleiner und mittlerer Unternehmen in Neapel heran – ein Test für die Verzahnung von Technik, Recht und Praxis im künftigen europäischen Wallet‑Ökosystem.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).