Mailand, 28. Oktober 2026 – Die Procura di Milano ermittelt gegen zehn Verdächtige, die chinesische Regimekritiker in Italien ausgespäht und eingeschüchtert haben sollen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen geht es um koordiniertes Vorgehen gegen im Exil lebende Dissidenten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte. Ob und wann ein Antrag auf Eröffnung eines Hauptverfahrens gestellt wird, ist offen.
Den Beschuldigten werden nach bisherigem Stand unter anderem Stalking, Bedrohung und Nötigung zur Last gelegt. Zudem prüfen die Behörden den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung (associazione per delinquere). Die Maßnahmen sollen darauf gezielt haben, politisch aktive Gegner der chinesischen Regierung in Italien zum Schweigen zu bringen oder von öffentlichen Auftritten abzuhalten. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Ermittlungen werden von Spezialeinheiten der Polizei unterstützt; die Digos war an operativen Maßnahmen beteiligt. In den Akten ist von wiederholter Beobachtung, digitaler Ausforschung und direkter Ansprache die Rede. Ermittler prüfen zudem mögliche Verbindungen nach Peking. Offizielle Stellen in Rom äußerten sich zunächst nicht zu operativen Details.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Hinweisen auf transnationale Repression in Italien ein. Bereits im Frühjahr 2026 waren nach übereinstimmenden Medienberichten acht chinesische Staatsbürger per Verwaltungsakt ausgewiesen worden, weil sie Dissidenten ausgespäht haben sollen. Italienische Medien wie ANSA, Il Foglio und la Repubblica hatten zudem über Cyberangriffe und Datendiebstahl im Umfeld von Ermittlungen gegen im Land lebende chinesische Oppositionelle berichtet. Parlamentarische Anfragen und Berichte befassten sich in den vergangenen Monaten mit Sicherheitslücken und dem Schutz Geflüchteter.
Sollte die Procura di Milano Anklage erheben und ein Gericht die Vorwürfe bestätigen, dürfte dies politische und diplomatische Folgen für die Beziehungen zwischen Italien und China haben. Innen- und Justizbehörden in Rom stehen dann unter Druck, den Schutz gefährdeter Aktivisten zu verstärken und die Zusammenarbeit mit ausländischen Sicherheitsdiensten enger zu kontrollieren. Zugleich wären die Ermittler gefordert, mögliche weitere Netzwerke aufzudecken. Prognosen über den Ausgang eines Verfahrens sind derzeit nicht möglich.
Die Staatsanwaltschaft verwies am Dienstag auf den laufenden Charakter der Ermittlungen und machte keine Angaben zu einzelnen Personen. Nach Informationen italienischer Medien sind unter den zehn Beschuldigten auch chinesische Staatsangehörige. Bestätigte Namen wurden nicht veröffentlicht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).