Kultur

Konzertboom in Italien legt Strukturprobleme offen

Neue Branchenanalysen von Rockol MusicBiz greifen den SIAE-Rapporto 2024 auf: Trotz Rekorden bei Publikum und Einnahmen bleiben Verteilung, Ticketing und Infrastruktur die Schwachstellen.

Aktueller Anlass ist eine Debatte, die Rockol MusicBiz mit neuen Branchenbeiträgen angestoßen hat: Der SIAE-Rapporto 2024 weist für das Jahr 2024 Rekorde im Live-Sektor aus, doch die daraus abgeleitete Erzählung vom ungetrübten Aufschwung greift zu kurz. Nach SIAE-Berechnungen fanden 65.515 Konzerte statt; rund 29 Millionen Besucherinnen und Besucher gaben an den Kassen 989,3 Millionen Euro aus. Die Live-Szene hat damit eine erhebliche volkswirtschaftliche Relevanz erreicht.

Die Faktenlage ist klar, die Schlussfolgerungen sind umstritten. Branchenakteure verweisen darauf, dass die Erträge stark auf wenige Großveranstaltungen und Metropolen konzentriert sind. Analysen, unter anderem bei Rockol MusicBiz und von Beobachtern wie Kaburi, sprechen von einer wachsenden Abhängigkeit von Stadion- und Arena-Touren internationaler Topacts, während kleinere Promoter, Clubs und regionale Festivals mit steigenden Kosten und unsicheren Margen ringen. Das deckt sich mit Hinweisen aus dem SIAE-Rapporto 2024 auf eine heterogene Entwicklung über Segmente und Regionen hinweg.

Verbände wie Assomusica betonen, dass die lokale Wertschöpfung oftmals hinter dem Gesamtniveau zurückbleibt. Auch AGIS verweist in ihren Auswertungen regelmäßig auf Unterschiede zwischen Regionen sowie Sparten. Hinzu kommen strukturelle Verschiebungen: Saisonverschiebungen, teils als Destagionalisierung beschrieben, verändern Tourlogistik und Personalplanung; gleichzeitig belasten höhere Energie-, Transport- und Sicherheitskosten die Kalkulation der Veranstalter.

Daraus ergeben sich politische und wirtschaftliche Handlungsfelder. Erstens fordern Marktteilnehmer verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte Förderung für Club- und Mittelstandsstrukturen, um die Vielfalt jenseits der großen Arenen zu sichern. Zweitens steht das Ticketing im Fokus: Transparentere Regeln, wirksame Maßnahmen gegen exzessive Weiterverkäufe und ein fairer Ausgleich von Gebühren gelten als Voraussetzung dafür, dass Einnahmen bei den Produzenten der Veranstaltungen ankommen. Drittens verweisen Akteure auf die Notwendigkeit von Investitionen in Kultur- und Verkehrsinfrastruktur, insbesondere außerhalb der großen Zentren, um Kapazitäten, Lärmschutz und Anbindung zu verbessern.

Zu trennen sind belegte Tatsachen und Zuschreibungen: Die Kennzahlen entstammen dem SIAE-Rapporto 2024. Bewertungen zur Konzentration von Umsätzen, zur Belastung kleinerer Akteure und zu Regulierungsbedarfen stammen aus Stellungnahmen von Assomusica, Auswertungen von AGIS sowie Analysen bei Rockol MusicBiz und Kaburi. Ob und in welcher Form Politik und Markt kurzfristig reagieren, ist offen. Klar ist jedoch: Der Boom markiert eine Chance – und legt zugleich jene Strukturprobleme offen, die "Live in Italia" dauerhaft nur mit verlässlichen Regeln und Investitionen lösen kann.

Redakteurin: Celestina Fuentes (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk