Italien verschärft seine Maßnahmen gegen Masern: Das Ministero della Salute ruft die Regionen zu einer aktiven Suche nach nicht oder unvollständig Geimpften und zu sofortigen Nachholimpfungen auf. Anlass sind anhaltende Übertragungen in mehreren Landesteilen und Impfquoten unter der für die Eliminierung erforderlichen Marke von 95 Prozent. Das Istituto Superiore di Sanità stützt den Aufruf mit aktuellen Berichten aus der landesweiten Surveillance.
Konkret sollen die regionalen Gesundheitsdienste (Asl) Impf- und Einwohnerregister abgleichen, rückrufbare Personen direkt kontaktieren und fehlende Dosen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung niedrigschwellig anbieten – in Impfzentren ebenso wie in Hausarzt- und Kinderarztpraxen. Empfohlen wird zudem, den Immunstatus von Beschäftigten im Gesundheitswesen systematisch zu prüfen und bei Bedarf unverzüglich zu vervollständigen, um nosokomiale Übertragungen zu verhindern. Die FNOMCeO unterstützt die Maßnahmen und verweist auf die Verantwortung medizinischer Einrichtungen, Personal und Patientinnen und Patienten zu schützen.
Die Behörden verweisen darauf, dass neue Fälle vor allem ungeimpfte Kinder und junge Erwachsene betreffen. Die Surveillance kombiniert klassische Ausbruchsuntersuchungen mit der molekularen Charakterisierung zirkulierender Viren, um Cluster frühzeitig zu erkennen und Übertragungsketten zu unterbrechen. Regionale Auswertungen – etwa der Regione Lombardia – bestätigen diesen Befund und nennen Impflücken in bestimmten Jahrgängen als wesentliches Risiko. Analysen von Osservasalute verorten zudem unterschiedliche Ausgangslagen der Regionen bei Prävention und Erfassung.
Rechtlicher und organisatorischer Rahmen der Kampagne sind klar verteilt: Das Ministero della Salute setzt die Leitlinien, aktualisiert per Circolare die operativen Vorgaben und flankiert sie mit Informationskampagnen zur Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Die Regionen setzen um, die Asl koordinieren Recall, Terminmanagement und Dokumentation. Parallel prüft die Commissione nazionale di verifica dell’eliminazione del morbillo e della rosolia die Fortschritte gegenüber den Eliminationskriterien der Weltgesundheitsorganisation.
Hintergrund ist die seit Jahren schwankende Impfbereitschaft und das Wiederaufflammen importierter und endemischer Infektionsketten in Europa. Italien hält an der Empfehlung fest, zwei Dosen im Kindesalter zu verabreichen und versäumte Dosen in allen Altersgruppen nachzuholen. Die aktuelle Initiative soll größere Ausbrüche verhindern, besonders gefährdete Personen schützen und die Voraussetzungen für die Eliminierung des Masernvirus schaffen. Kurzfristig entsteht zusätzlicher Aufwand für Asl und Kommunen; mittelfristig führen systematischer Registerabgleich, gezielte Nachholimpfungen und eine einheitliche Datengrundlage zu verlässlicherem Impfschutz und geringerer Krankheitslast.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).