In Beirut ist am 15. Oktober 2026 eine von italienischen Partnern entwickelte Plattform zur Sicherung des libanesischen Kulturerbes gestartet. Die Vorstellung von „Archiving Lebanon’s Heritage“ fand in der Biblioteca nazionale di Beirut statt. Nach übereinstimmenden Berichten von ANSA und Agenzia Nova wird das Vorhaben vom Heritage International Institute gemeinsam mit der Directorate General of Antiquities des libanesischen Kulturministeriums getragen.
Ziel ist ein landesweites, offenes digitales Archiv, das private und institutionelle Bestände bündelt: Fotos, Briefe, Filme, Tonaufnahmen und andere Quellen können von Bürgerinnen und Bürgern, Einrichtungen und der Diaspora hochgeladen werden. Die Träger sprechen von einer „digitalen Festung“ der Erinnerung. Technisch setzt die Plattform auf automatisierte Metadaten, KI-gestützte Klassifikation und Werkzeuge zur Langzeitarchivierung. Damit soll nicht nur Bewahrung ermöglicht, sondern auch die spätere Recherche über Sammlungen hinweg erleichtert werden.
Der Start geht auf eine im Mai 2026 vereinbarte Kooperation zwischen dem Heritage International Institute und der Directorate General of Antiquities zurück. Bei der Präsentation in Beirut waren nach Angaben der Organisatoren Vertreter der DGA, der italienischen Seite und der italienischen Botschaft anwesend. Konkrete Förderbeträge wurden vor Ort nicht genannt.
Der aktuelle Schritt ist vor dem Hintergrund wiederholter Verluste von Kulturgut im Libanon und der Region bedeutsam. Digitale Sicherung ergänzt physische Restaurierung und rechtlichen Schutz, kann beschädigte oder verstreute Bestände jedoch nicht ersetzen. Fachleute verweisen daher auf zwei offene Punkte: Erstens braucht es klare Regeln zu Eigentum, Zugriffs- und Nutzungsrechten der eingereichten Materialien. Zweitens muss die Langzeitverfügbarkeit mit belastbaren Angaben zu Speicherorten, Zuständigkeiten und Sicherheitsprotokollen gesichert werden. Beides ist für Vertrauen und breite Beteiligung ebenso wichtig wie die Technik.
Für Italien verbindet das Projekt außen- und kulturpolitische Ziele mit praktischer Unterstützung eines Partnerlands. Die Plattform stärkt die Sichtbarkeit kultureller Zusammenarbeit und knüpft an bestehende Aktivitäten italienischer Institutionen in Beirut an. Für den Libanon und seine Diaspora bietet sie die Chance, verstreute Zeugnisse zugänglich zu machen und damit Forschung, Bildung und öffentliche Erinnerung zu fördern. Ob der Anspruch einer „digitalen Festung“ trägt, wird sich an Governance, Transparenz und verlässlicher Finanzierung messen lassen.
Redakteurin: Celestina Fuentes (Artikel mit KI-Unterstützung).