Nach der Schlussabstimmung im Senat am 23. September 2026 hat die Regierung in Rom den gesetzlichen Rahmen für eine Rückkehr zur Kernenergie gesetzt. Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin kündigte an, die zugehörigen Umsetzungsakte, die sogenannten decreti attuativi, bis zum Jahresende vorzulegen. Nach seiner Einschätzung könnten erste Reaktoren in den Jahren 2033–2034 ans Netz gehen. Verbindlich werden Fristen und Zuständigkeiten jedoch erst mit Veröffentlichung der einzelnen Verordnungen.
Der mit der Legge delega geschaffene Rahmen sieht vor, die Genehmigungsverfahren neu zu ordnen, Standorte festzulegen, Sicherheitsstandards zu präzisieren und eine Aufsicht zu institutionalisieren. Pichetto Fratin nannte die Gründung einer Agenzia per la sicurezza nucleare, Regelungen zur Transparenz sowie Verfahren der Bürgerbeteiligung als zentrale Elemente der anstehenden Verordnungen. Zudem stellte er straffere Fristen in Aussicht, um behördliche Abläufe zu beschleunigen.
Italien hatte nach dem Referendum von 1987 seine Kernkraftwerke stillgelegt. Die Debatte flammte nach Fukushima 2011 erneut auf und blieb politisch umstritten. Die aktuelle Regierungsmehrheit begründet den Kurswechsel mit steigender Stromnachfrage, dem Bedarf an planbarer Erzeugung und geringeren CO₂-Emissionen im Vergleich zu fossilen Energieträgern. In den politischen Ankündigungen spielen moderne, kleinere Reaktorkonzepte eine Rolle, darunter Small Modular Reactors, die mit standardisierten Designs und kleinteiligerer Fertigung schneller zu realisieren sein sollen. Ob und in welchem Umfang diese Technologien tatsächlich eingesetzt werden, hängt von den nun auszuarbeitenden Regelungen und Projektausschreibungen ab.
Offen sind entscheidende Weichenstellungen, die in den decreti attuativi festgelegt werden müssen: der Ablauf der Zulassungsverfahren, Haftungsfragen, die Finanzierung einschließlich möglicher staatlicher Garantien, Zeitpläne und Kriterien für Standortentscheidungen sowie die langfristige Lösung für ein nationales Endlager für radioaktive Abfälle. Auch die Abstimmung mit europäischen Regelwerken und Aufsichtsstandards wird für Tempo und Rechtssicherheit des Programms maßgeblich sein.
Die genannten Zeitziele beruhen auf öffentlichen Aussagen von Gilberto Pichetto Fratin und der im September 2026 beschlossenen Delegation an die Regierung. Sie markieren eine politische Absicht, ersetzen aber nicht die förmliche Festlegung in Rechtsakten. Erst mit den veröffentlichten Verordnungen wird erkennbar, ob der anvisierte Korridor 2033–2034 technisch, finanziell und rechtlich tragfähig ist und welche Projekte den Anfang machen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).