Italiens Statistikamt Istat hat am 25. September 2026 aktualisierte Schätzungen zur nicht beobachteten Wirtschaft für das Jahr 2023 vorgelegt. Demnach trug die sogenannte economia non osservata rund 218 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei, was etwa 10,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die Angabe beruht auf den revidierten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und fasst die jüngsten methodischen Aktualisierungen zusammen.
Istat unterscheidet innerhalb der economia non osservata mehrere Komponenten: das klassische sommerso mit nicht gemeldeten Aktivitäten, illegale Wirtschaftsbereiche sowie statistische Abweichungen. Den weitaus größten Anteil macht demnach das sommerso aus, also regulär handelnde Unternehmen und Haushalte, die Leistungen ganz oder teilweise der Steuer- und Beitragspflicht entziehen. Illegale Aktivitäten werden separat geschätzt und sind im Vergleich kleiner, bleiben für die Vollständigkeit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen aber relevant.
Die Zahlen sind für die Finanz- und Wirtschaftspolitik bedeutsam. Eine hohe nicht beobachtete Wertschöpfung verzerrt die Berechnung von Steuer- und Abgabenquoten, erschwert die Einschätzung des Potenzialwachstums und vergrößert den sogenannten Tax Gap, also die Differenz zwischen geschuldeten und tatsächlich vereinnahmten Steuern. Behörden wie die Guardia di Finanza und die Finanzverwaltungen verweisen seit Längerem auf gezielte Prüfungen, Datenabgleiche und digitale Kontrollinstrumente, um Einnahmeausfälle zu verringern.
Zugeschriebene Bewertungen: Die Banca d’Italia hebt in ihren Analysen strukturelle Treiber hervor, darunter Bargeldnutzung, informelle Beschäftigung und Unternehmenskleinteiligkeit. Daraus leitet sie die Relevanz von Maßnahmen zur Förderung elektronischer Zahlungen, zur Vereinfachung von Verfahren und zur Stärkung der Durchsetzung ab. Auch die OECD weist in ihren Italien-Berichten auf die fiskalische und produktivitätsbezogene Bedeutung einer Eindämmung der Schattenwirtschaft hin.
Was die Dynamik betrifft, enthält die vorliegende Veröffentlichung keine kurzfristigen Prognosen über Rückgänge der economia non osservata. Istat beschreibt die Werte als Ergebnis der statistischen Schätzung im Rahmen der nationalen Konten; Aussagen über künftige Effekte politischer Maßnahmen lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Politische Rückschlüsse – etwa zur Ausgestaltung von Anreizen für digitale Zahlungen oder zur Schwerpunktsetzung bei Betriebsprüfungen – sind möglich, bedürfen aber gesonderter Evaluierung.
Unterm Strich bestätigt die Istat-Schätzung, dass die Schattenwirtschaft 2023 einen substanziellen Anteil an Italiens Wirtschaftsleistung hatte. Damit liefert sie eine aktuelle, belastbare Referenz für die Haushalts- und Steuerplanung sowie für Strategien gegen Steuerhinterziehung und Nichtabführung von Sozialbeiträgen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).