Gesellschaft

Guardia di Finanza zerschlägt Netzwerk zur Ausbeutung georgischer Betreuungskräfte

In Bozen sind 29 Verdächtige festgenommen und 95 Objekte durchsucht worden. Die Ermittler sprechen von Einschleusung, Ausbeutung und gefälschten Dokumenten.

Die Guardia di Finanza hat am 7. Oktober in Bozen ein mutmaßlich landesweit agierendes Netzwerk zerschlagen, das georgische Frauen als Betreuungskräfte nach Italien eingeschleust und ausgebeutet haben soll. Nach Angaben der Behörden wurden 95 Hausdurchsuchungen vollstreckt, 29 Personen festgenommen und 101 Strafanzeigen erstattet. Rund 220 Einsatzkräfte waren beteiligt. Die Staatsanwaltschaft Bozen leitet das Verfahren; zuständiger Ermittler ist der stellvertretende Staatsanwalt Igor Secco.

Den bisherigen Ermittlungsergebnissen zufolge rekrutierten zwei in Italien lebende georgische Frauen in Georgien Landsfrauen, die auf eine Anstellung als Haushaltshilfen oder pflegerische Betreuungskräfte hofften. Die Angeworbenen seien teils ohne reguläre Einreiseformalitäten nach Italien gebracht, mit falschen oder einbehaltenen Ausweispapieren kontrolliert und in Wohnungen eines mutmaßlichen Komplizen untergebracht worden. Von dort seien sie, häufig ohne gültigen Aufenthaltsstatus, an private Haushalte vermittelt worden, vor allem in Südtirol und Trentino.

Die Vorwürfe umfassen das erleichterte Einschleusen von Ausländern, unerlaubte gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung, Ausbeutung bis hin zu Formen des sogenannten Caporalato sowie Besitz und Herstellung gefälschter Ausweisdokumente. Nach Darstellung der Ermittler zielte das System darauf, Profite aus illegaler Vermittlung und der Ausnutzung besonders verletzlicher Personen zu erzielen. Betroffene Frauen seien psychischem Druck und prekären Arbeits- und Wohnbedingungen ausgesetzt gewesen. Angaben der Beschuldigten liegen bislang nicht öffentlich vor; das Ermittlungsverfahren dauert an. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Razzien in Bozen fügen sich in eine Reihe italienweiter Ermittlungen gegen organisierte Schleusungs- und Ausbeutungsstrukturen. Behörden verweisen seit Längerem auf wachsende Nachfrage nach häuslicher Pflege und Betreuung, die ein Einfallstor für illegale Vermittlung und prekäre Beschäftigung eröffnen kann. Für die Betroffenen stellen sich nun Fragen des rechtlichen Schutzes, möglicher Bleiberechte sowie des Zugangs zu Opferschutzleistungen. Für die Ermittler stehen Beweissicherung, Finanzflussanalysen und eine mögliche grenzüberschreitende Spurführung nach Georgien im Vordergrund.

Über die konkrete Zahl identifizierter Opfer, die Beschlagnahmen im Zuge der Durchsuchungen und mögliche Vermögensarreste machten die Behörden zunächst keine detaillierten Angaben. Weitere Ergebnisse werden nach Auswertung der sichergestellten Unterlagen und digitalen Daten erwartet. Klar ist bereits jetzt, dass die Ermittlungen über Bozen hinausreichen und die Zuständigkeiten in Italien je nach Tat- und Aufenthaltsorten der Beschuldigten koordiniert werden müssen.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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