Die Guardia di Finanza hat am 6. Oktober im Rahmen der Operation Mani d’Oro eilige Sicherstellungen und Durchsuchungen in neun italienischen Provinzen vollstreckt. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurden Vermögenswerte und Kontoguthaben im Umfang von bis zu 37 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Maßnahmen erfolgten auf Anordnung der Procura della Repubblica di Ravenna und betrafen unter anderem Napoli und die Provinz Caserta.
Kern der Vorwürfe sind illegale Arbeitnehmerüberlassung (italienisch: somministrazione illecita di manodopera), Steuerdelikte und Geldwäsche. Die Finanzpolizei führt die Ermittlungen über das Nucleo di Polizia Economico-Finanziaria in Ravenna. Im Zuge der Razzia wurden mehr als 40 Objekte durchsucht. Die Ermittler sprechen von einem Geflecht aus Briefkasten- und Durchlaufgesellschaften, das zur Verschleierung von Zahlungsströmen und zur systematischen Umgehung arbeits- und steuerrechtlicher Pflichten gedient haben soll.
Aus den bisher vorliegenden Ermittlungsangaben und übereinstimmenden Medienberichten geht hervor, dass rund 155 sogenannte società cartiere als Durchlaufstellen fungiert haben sollen. Zudem ist von etwa 1.000 betroffenen Beschäftigten die Rede, die als scheinselbständig oder nur kurzfristig angestellt geführt worden sein sollen. Der genannte Sicherstellungsbetrag von rund 37 Millionen Euro spiegelt die vorläufige Berechnung der mutmaßlich erlangten oder eingesetzten Mittel wider; die genaue Aufteilung nach Personen und Gesellschaften ist Gegenstand der laufenden Auswertung.
Die Staatsanwaltschaft in Ravenna hat die Maßnahmen bestätigt. Haftbefehle oder Anklageschriften gegen namentlich genannte Beschuldigte wurden in den verfügbaren Mitteilungen nicht als rechtskräftige Entscheidungen ausgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Weitere forensische Prüfungen zu Geldflüssen, Scheinrechnungen und Subunternehmerketten laufen an verschiedenen Einsatzorten weiter.
Die Operation hat über den strafrechtlichen Rahmen hinaus Signalwirkung. Für die Regionen mit Einsätzen, darunter Napoli und Caserta, stellen sich Fragen zu Kontrolllücken entlang von Vergabeketten und zur Vermeidung von Ausbeutung prekär Beschäftigter. Möglich sind zudem erhebliche zivil- und steuerrechtliche Nachforderungen sowie verwaltungsrechtliche Auflagen gegenüber beteiligten Firmen. Die Strafverfolgungsbehörden sehen die Verknüpfung von Arbeitsausbeutung, Steuerbetrug und Geldwäsche als strategischen Schwerpunkt und verweisen auf eine Reihe ähnlich gelagerter, jüngst geführter Verfahren.
Die Angaben stützen sich auf Mitteilungen der Ermittlungsbehörden und übereinstimmende Berichte mehrerer Regional- und Agenturmedien vom 6. Oktober. Die Ermittlungen unter Leitung der Procura della Repubblica di Ravenna dauern an; Ergebnisse gerichtlicher Hauptverfahren liegen noch nicht vor.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).