Eurostat hat am 23. Oktober 2026 neue Vergleichszahlen zur Einkommensverteilung veröffentlicht. Demnach lag der Gini-Koeffizient für das verfügbare Haushaltseinkommen in Italien im Jahr 2025 bei 31,0 und damit unter dem Vorjahreswert, jedoch über dem EU-27-Durchschnitt von 29,2. Italien zählt damit weiterhin zur Gruppe der Mitgliedstaaten mit überdurchschnittlicher Ungleichheit, auch wenn der Trend zuletzt nach unten zeigte.
Der Gini-Koeffizient misst die Verteilung der verfügbaren Einkommen nach Steuern und Sozialtransfers; je höher der Wert, desto ungleicher die Verteilung. Eurostat ordnet die Länder ein: 2025 lagen einige mittel- und osteuropäische Staaten an der Spitze der Ungleichheitsskala, während mehrere westeuropäische Länder unter dem EU-Schnitt blieben. Die nun vorliegenden Werte aktualisieren den europäischen Bezugsrahmen und verorten die italienische Entwicklung im Vergleich der Mitgliedstaaten.
Nationale Daten stützen diese Einordnung. Ein Bericht des italienischen Statistikamtes Istat, veröffentlicht im März 2026 auf Basis der Erhebung zu den Einkommen 2024, dokumentiert eine Verringerung der Ungleichheit gegenüber den Vorjahren. Zugleich betont Istat deutliche regionale Disparitäten zwischen Nord, Zentrum und Mezzogiorno. Die Umverteilungswirkung von Steuern und Transfers lindert die Ungleichheit zwar, bleibt in einigen Gebieten jedoch begrenzt. Regionale Arbeitsmarktlagen und unterschiedliche Erwerbsquoten prägen die Verteilung maßgeblich mit.
Ökonomische Analysen, darunter die OECD-Länderstudie zu Italien 2026, verorten die Persistenz relativer Ungleichheit in strukturellen Faktoren: Segmentierte Arbeitsmärkte, niedrige Erwerbsbeteiligung insbesondere im Mezzogiorno sowie die Zusammensetzung von Steuern und Sozialleistungen schwächen die Wirksamkeit der Umverteilung. Als policy-relevante Hebel nennen die Gutachten eine zielgenauere Familien- und Armutsbekämpfung, eine breitere Erwerbsbeteiligung durch Qualifizierung und Kinderbetreuung sowie eine Vereinfachung und bessere Treffsicherheit des Steuer- und Transfersystems.
Für die politische Debatte bedeutet dies: Der Rückgang des italienischen Gini-Werts belegt Fortschritte, die Lücke zum EU-27-Durchschnitt bleibt jedoch bestehen. Die aktualisierten Eurostat-Daten und die Detailbefunde von Istat liefern eine belastbare Grundlage für die Bewertung geplanter Maßnahmen. Ob Italien seine relative Position in Europa verbessert, hängt daran, ob strukturelle Schwächen am Arbeitsmarkt und bei der Ausgestaltung von Steuern und Sozialtransfers wirksam adressiert werden.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).