Mit einer Vorführung in Milano ist am 9. Oktober der Dokumentarfilm Il Paese sognato erschienen. Regisseur Marcello Bivona richtet den Blick auf die Scuole senza permesso, ein städtisches Netzwerk freiwilliger Sprachkurse für Zugewanderte, und erzählt anhand von Porträts aus dem Alltag von Lernenden und Lehrenden. Ausgangspunkt ist ein corso di italiano für Fremdsprachige in San Giuliano; die Szenen verknüpfen persönliche Erfahrungen mit den strukturellen Fragen von Migration und Teilhabe.
Nach Angaben der Rete Scuole Senza Permesso erreichte das Netzwerk in der Saison 2025–2026 in und um Milano rund 7.000 eingeschriebene Lernende. Getragen wurde das Angebot von etwa 800 volontari, die zusammen rund 19.000 Unterrichtsstunden organisierten. Neben dem Spracherwerb umfasst die Arbeit soziale Orientierung, Hilfe im Behördenkontakt und Unterstützung für Familien mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Auch die katholische Tageszeitung Avvenire und lokale Initiativen beschreiben diese Mischung aus niedrigschwelliger Bildung und sozialpädagogischer Begleitung.
Der Film zeigt die Spannungen, in denen die Kurse entstehen: Sprachvermittlung gilt als Schlüssel zur Integration, wird aber durch rechtliche Unsicherheiten erschwert, wenn Teilnehmende keinen stabilen Aufenthaltsstatus besitzen oder formale Voraussetzungen für staatliche Angebote fehlen. Lehrkräfte und Ehrenamtliche müssen dadurch oft zwischen strikten Vorgaben und pragmatischer Hilfe abwägen. Beiträge von Rai Radio 3 und Berichte aus Milano zeichnen ein ähnliches Bild: zivilgesellschaftliche Projekte füllen Lücken, die staatliche Programme nicht überall schließen.
Politisch wirft Il Paese sognato zwei Fragen auf, die über den Mailänder Kontext hinausweisen. Erstens: Sollten informelle Kurse, die nachweislich viele Menschen erreichen, stärker anerkannt und finanziell unterstützt werden, um Verlässlichkeit und Qualitätsstandards zu sichern? Zweitens: Wie lassen sich rechtliche Hürden so gestalten, dass Sprach- und Bildungsangebote frühzeitig und ohne Angst vor Konsequenzen genutzt werden können? Die im Film und von der Rete genannten Zahlen sind organisationsseitige Angaben; sie werden von unabhängigen Medien wiedergegeben, amtliche Statistiken liegen dazu jedoch nur punktuell vor.
Der aktuelle Kinostart schafft Sichtbarkeit für einen Bereich der Integrationsarbeit, der in Metropolen wie Milano seit Jahren praktisch wirkt, ohne im Mittelpunkt der politischen Debatte zu stehen. Indem Il Paese sognato den Alltag der Scuole senza permesso dokumentiert, liefert der Film einen konkreten Anlass, die Rolle ehrenamtlicher Sprachbildung neu zu vermessen – und sie systematisch mit kommunalen und staatlichen Angeboten zu verzahnen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).