Rom, 23. September 2026: Neue Überwachungsberichte des Istituto Superiore di Sanità belegen eine anhaltende Zirkulation der Masern in Italien mit einem Schwerpunkt bei jungen Erwachsenen. Die aktuelle Altersverteilung der gemeldeten Fälle fällt zunehmend in die Gruppe der Anfangs- bis Mittdreißiger. Das deutet auf Kohorten mit unzureichender Grundimmunisierung hin und erschwert das von Italien angestrebte Eliminationsziel.
Zusätzliche Evidenz liefert eine Seroprävalenzstudie unter Blutspenderinnen und Blutspendern in Apulien. Sie beschreibt eine messbare „immunity gap“ in genau dieser Altersgruppe. Obwohl regionale und selektive Stichproben die Gesamtbevölkerung nur approximativ abbilden, stützt die Übereinstimmung mit den nationalen Meldedaten die Einschätzung, dass die Schutzlücke nicht auf einzelne Gebiete begrenzt ist.
Masern sind durch Impfung vermeidbar. Das nationale Programm sieht zwei Dosen des MMR‑Impfstoffs vor. Für eine dauerhafte Unterbrechung der endemischen Übertragung wird international eine Immunität von etwa 95 Prozent der Bevölkerung als Zielmarke genannt. In mehreren Geburtskohorten liegt die dokumentierte Impfquote jedoch darunter. Hinzu kommen Lücken in älteren Registern und unvollständige Nachweise von Nachholimpfungen, was die Identifikation gefährdeter Gruppen erschwert.
Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften empfehlen darum, Suszeptibilitäten bei jungen Erwachsenen gezielt zu adressieren. Genannt werden niedrigschwellige Impfangebote ohne Terminbarrieren, aufsuchende Angebote in Hochschulen, Betrieben und Gesundheitsberufen sowie standardisierte Abläufe für den schnellen Nachweis oder die Nachholung der MMR‑Impfung. In Arbeitsbereichen mit erhöhtem Übertragungsrisiko können serologische Tests sinnvoll sein, sofern sie in klare Impfpfade eingebettet sind und den Zugang zur Impfung nicht verzögern.
Das Gesundheitsministerium und die Regionen verweisen darauf, dass eine präzise Steuerung nur mit verlässlichen Daten gelingt. Prioritär sind daher ein aktuelles, interoperables Impfregister, eine rasche Meldung laborbestätigter Fälle und regelmäßige, repräsentative Seroprävalenzerhebungen. Erst auf dieser Grundlage lassen sich Umfang und räumliche Verteilung der Schutzlücken belastbar beziffern und Kampagnen effizient zuschneiden.
Unstrittig ist der Nutzen hoher Durchimpfung für besonders gefährdete Gruppen wie Säuglinge, immunsupprimierte Personen und Schwangere. Fachleute warnen zugleich vor Selbstzufriedenheit: Nach rückläufigen Inzidenzen in Pandemiezeiten haben sich seit 2024 in mehreren europäischen Ländern wieder Übertragungsketten etabliert. Italien steht damit nicht isoliert. Entscheidend für das nationale Eliminationsziel bleibt, in den betroffenen Jahrgängen schnell eine ausreichend hohe MMR‑Abdeckung zu erreichen und Ausbrüche durch konsequentes Fallmanagement zu begrenzen.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).