Der Centro Studi Confindustria (CSC) hat am 14. Oktober 2026 eine Analyse vorgelegt, wonach rund 48 Prozent des Emissionsrückgangs in Italiens von EU-Emissionshandel (ETS) erfasster Industrie auf die Stilllegung von Produktionsanlagen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse wurden am selben Tag in der Nachrichtenagentur Radiocor zusammengefasst und von italienischen Medien aufgegriffen.
Für den Zeitraum 2005 bis 2025 weist der Bericht einen Rückgang der Industrieemissionen im ETS-Sektor um 43 Prozent aus. Parallel dazu seien 386 Industrieanlagen stillgelegt worden, im Durchschnitt 19 pro Jahr. Von den knapp 37 Millionen Tonnen eingesparter Emissionen entfielen demnach etwa 18 Millionen Tonnen auf den dauerhaften Wegfall von Kapazitäten und nicht auf technologische Dekarbonisierung.
Nach Einschätzung des CSC hat diese Struktur des Rückgangs Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Mit dem schrittweisen Auslaufen kostenfreier Zertifikate würden etwa 18 Prozent der ETS-Betriebe Mehrkosten im Verhältnis zu ihrem operativen Ergebnis tragen, wodurch deren Rentabilität gefährdet sei. Betroffen seien Unternehmen, die rund 744 Millionen Euro Wertschöpfung erzeugen und etwa 19.000 Arbeitsplätze sichern. Diese Angaben stammen aus der CSC-Auswertung und der Radiocor-Berichterstattung vom 14. Oktober 2026.
Kritik übt der Bericht zudem an der Verwendung der Einnahmen aus dem Emissionshandel. Zwischen 2012 und 2025 habe Italien rund 20,8 Milliarden Euro aus dem Verkauf von ETS-Zertifikaten erzielt; bis 2023 sei nur ein begrenzter Anteil gezielt in Dekarbonisierungsmaßnahmen geflossen. Der CSC plädiert dafür, diese Mittel systematisch für Investitionen in Effizienz, Elektrifizierung und grüne Prozesswärme zu verwenden, um Emissionen tatsächlich zu mindern und die industrielle Basis zu modernisieren.
Zugeschriebene Aussagen und Bewertungen stammen vom Centro Studi Confindustria. Eine unmittelbare Reaktion der Regierung oder Hinweise auf beschlossene Gegenmaßnahmen nennt der Bericht nicht. Politische Folgerungen – etwa eine verbindlichere Zweckbindung der ETS-Erlöse oder zusätzliche Hilfen für besonders betroffene Branchen und Regionen – hängen von künftigen Entscheidungen der Regierung und des Parlaments ab.
Hintergrund: Italiens energieintensives Verarbeitungsgewerbe gilt als anfällig für hohe Energiepreise und Investitionsrückstände bei sauberer Technik. Der nun veröffentlichte Befund unterscheidet klar zwischen Emissionsminderungen durch Produktivitäts- und Technologiegewinne und solchen durch Schrumpfung. Für die Bewertung der Klimapolitik bedeutet dies: Sinkende Emissionen allein liefern noch keinen Beleg für eine standfeste Dekarbonisierung, wenn sie vor allem durch Schließungen entstehen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).