Italiens Handelsverband Confcommercio warnt vor einem deutlichen Strompreisgefälle: Im EU-Vergleich koste Elektrizität in Italien derzeit bis zu rund 70 Euro pro Megawattstunde mehr als in wichtigen Nachbarstaaten. Das geht aus aktuellen Auswertungen des Osservatorio Confcommercio Energia (OCEN) hervor, über die LaPresse am 19. September berichtet. Der Verband sieht dadurch vor allem Handel, Tourismus und Gastronomie belastet.
Als Hauptursachen nennt Confcommercio die anhaltend hohe Abhängigkeit Italiens von Gaskraftwerken, einen im Vergleich geringeren Beitrag bestimmter erneuerbarer Energien sowie zuletzt eine schwächere Wasserkrafterzeugung. Laut OCEN erklärt der Preis für Emissionszertifikate nur einen kleineren Teil des Abstandes; stärker ins Gewicht fielen saisonale Produktionsschwankungen und Marktdynamiken an den Großhandelsbörsen.
Für Unternehmen des Dienstleistungssektors summieren sich die finanziellen Folgen demnach spürbar. Verbandsangaben zufolge liegt die Belastung seit der Energiepreiskrise weiterhin deutlich über dem Niveau vor 2019. Besonders energieintensive Bereiche in Handel und Beherbergung sehen sich mit höheren Fixkosten konfrontiert, die sich direkt auf Margen und Investitionsspielräume auswirken können. Branchenvertreter warnen zudem vor einer Verschärfung der Wettbewerbsnachteile gegenüber Standorten mit strukturell niedrigeren Strompreisen.
Regulatorisch hat die Energiebehörde ARERA zuletzt Hilfsmechanismen für vulnerable Kundinnen und Kunden sowie Anpassungen bei Netz- und Verteilentgelten adressiert. Diese Eingriffe dämpfen jedoch vor allem die Endkundenrechnung in bestimmten Tarifen; die Großhandelspreise, die den aktuellen Aufschlag gegenüber dem EU-Schnitt treiben, beeinflussen sie nur begrenzt. Parallel berichten Verbraucherorganisationen und Wirtschaftsverbände von starken Wochenbewegungen an den Strom- und Gasmärkten.
Politisch fordert Confcommercio eine Strategie, die kurzfristige Entlastung und strukturelle Korrekturen verbindet. Dazu zählen aus Verbandssicht gezielte Senkungen staatlich regulierter Preisbestandteile, der zügige Ausbau erneuerbarer Kapazitäten einschließlich Speicher sowie Investitionen in Netze und Flexibilität, um die Abhängigkeit von gasbasiertem Spitzenlaststrom zu verringern. Ob und wann die Regierung zusätzliche Maßnahmen beschließt, war am Veröffentlichungstag offen.
Im europäischen Vergleich hat Italien in den vergangenen Jahren mehrfach höhere Stromgroßhandelspreise verzeichnet als Länder mit großem Anteil an Kernenergie oder besonders günstiger Wasserkraft. Der nun von Confcommercio hervorgehobene Abstand von bis zu 70 Euro pro Megawattstunde unterstreicht aus Sicht der Wirtschaftsverbände die Dringlichkeit, Kostenrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu mindern, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Italien zu stabilisieren.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).