Matteo Sarzana, Country Manager von Airbnb für Italien und Südosteuropa, hält neue Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen nicht für geeignet, die Wohnkosten in Italien zu senken. Die Regulierung von affitti brevi sei kein Heilmittel gegen das caro-casa-Problem, sagte er am 1. Oktober 2026 in einem Interview. Der Vorstoß reagiert auf den jüngsten Plan der Europäischen Kommission, Kommunen in als Stress abitativo ausgewiesenen Gebieten mehr rechtliche Mittel für Eingriffe in die touristische Kurzzeitvermietung zu geben, um Engpässe am Wohnungsmarkt zu lindern.
Die Kommission hatte im September 2026 ein Paket präsentiert, das Kriterien zur Identifikation angespannter Wohnlagen und Leitplanken für Eingriffe der Mitgliedstaaten und Kommunen vorsieht. In Italien wurde dies breit diskutiert. Nach Angaben von ANSA skizziert Brüssel einen Rahmen, der differenzierte lokale Auflagen ermöglichen soll. Dazu zählen etwa Obergrenzen für Kurzzeitangebote oder strengere Registrierungspflichten.
Sarzana verweist auf Erfahrungen aus Städten mit weitgehenden Verboten oder scharfen Auflagen, wo Mieten nicht automatisch gefallen seien. Diese Einschätzung deckt sich mit Argumenten von Plattformen und Eigentümerverbänden, die den Einfluss von Kurzzeitvermietungen auf die Gesamtmieten für überschätzt halten und auf strukturelle Faktoren wie Neubautätigkeit, Demografie und Nachfrage verweisen. Befürworter strenger Regeln kontern, dass Beschränkungen in besonders belasteten Quartieren notwendige Entlastung schaffen, touristischen Druck mindern und Spielräume für Sozial- und Studierendenwohnraum eröffnen können.
Für die italienische Politik stellt sich damit die Umsetzungsfrage. Kommunen verlangen mehr Kontrolle über Nutzung und Anzahl touristischer Einheiten, während Gastgeber und Branchenvertreter vor negativen Effekten auf Einkommen, Beschäftigung und städtische Dienstleistungen warnen. Entscheidend wird sein, wie die Kriterien für Stress abitativo im EU-Rahmen konkret gefasst werden und wie italienische Städte und Regionen sie anwenden. Rechtssicherheit, Datenzugang und Vollzugskapazitäten gelten dabei als Schlüssel, um punktgenaue Maßnahmen von pauschalen Verboten zu unterscheiden.
Unabhängig vom Ausgang bleibt festzuhalten: Die Regulierung der affitti brevi kann einzelne Märkte entlasten, ersetzt aber nicht eine breiter angelegte Wohnungsbau- und Bodenpolitik. Nach den jüngsten Vorschlägen der Europäischen Kommission dürfte die Auseinandersetzung in Italien weiter an Fahrt gewinnen. Das Interview mit la Repubblica verdeutlicht die Interessenlage von Airbnb, während Kommunen und nationale Stellen an praktikablen, rechtlich belastbaren Lösungen arbeiten.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).