Acciaierie d’Italia hat am 11. Oktober 2026 die vorübergehende Stilllegung der „Area a caldo“ – des Heißbereichs mit Hochöfen und weiterführenden Aggregaten – angekündigt. Der Konzern spricht von einer „schmerzhaften, aber unvermeidlichen Entscheidung“ infolge bindender Gerichtsbeschlüsse, die den Weiterbetrieb zeitlich begrenzen und technische Manöver zur sicheren Abschaltung erzwingen. Besonders betroffen ist das Werk in Taranto; auch für Genova und Novi Ligure wurden Unterbrechungen gemeldet.
Als unmittelbarer Auslöser gelten Beschlüsse der Corte d’Appello di Milano Ende Juli 2026, die strenge Auflagen für den Betrieb festlegten. Am 11. September 2026 wurden diese Vorgaben gerichtlich bestätigt und Fristen präzisiert. Das Unternehmen teilte mit, es habe die zuständigen Ministerien, Aufsichtsbehörden und die Regionalverwaltung Puglia formell informiert, um den richterlichen Terminen fristgerecht nachzukommen. Ein weiteres Schlüsselverfahren vor der Corte di Cassazione ist für den 20. Oktober 2026 terminiert.
Gewerkschaften kritisieren die Stilllegung als riskanten Schritt für Beschäftigung und Zulieferer und rufen für Montag zu einem landesweiten 24-Stunden-Streik in den Werken des ehemaligen Ilva-Komplexes auf. Sie verlangen belastbare Zusagen zur Sicherung der Arbeitsplätze und zur Auslastung der Anlagen. Vertreter der Region Puglia und mehrere Bürgermeister drängten die Zentralregierung in Palazzo Chigi auf ein koordiniertes Eingreifen.
Die Regierung betonte, man arbeite an Vorkehrungen, um eine vollständige Abschaltung zu vermeiden. Der Unterstaatssekretär am Amt des Ministerpräsidenten, Alfredo Mantovano, erklärte nach Gesprächen mit Sozialpartnern, es würden Maßnahmen vorbereitet, um die unmittelbaren Folgen für Belegschaften und lokale Wirtschaft abzufedern.
Hintergrund ist ein seit Jahren festgefahrener Konflikt zwischen Emissionsauflagen, Gerichtsverfahren und Restrukturierungsplänen. Für den Industriestandort Taranto hätte ein anhaltender Stopp des Heißbereichs weitreichende ökonomische Folgen, auch wegen der engen Verflechtungen mit dem regionalen Indotto. Als mögliche Instrumente gelten u. a. Kurzarbeitsregelungen nach italienischem Recht (cassa integrazione) sowie ergänzende Programme für betroffene Zulieferer. Umfang und Dauer hängen von den Verhandlungen zwischen Regierung, Acciaierie d’Italia und Gewerkschaften sowie vom Ausgang des Verfahrens vor der Corte di Cassazione ab.
Die heutigen Mitteilungen folgen auf übereinstimmende Branchen- und Agenturberichte und auf öffentlich dokumentierte Justizentscheidungen. Politische Stellungnahmen und Arbeitskampfaufrufe wurden von nationalen und regionalen Stellen bestätigt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).