Gesundheit

2025 mehr freiwillige Arztkündigungen im Servizio Sanitario Nazionale als Pensionierungen

Eine am 2. Oktober 2026 veröffentlichte Analyse von Anaao Assomed meldet für 2025 3.767 freiwillige Kündigungen von Krankenhausärztinnen und -ärzten im Servizio Sanitario Nazionale und damit erstmals mehr Abgänge als Pensionierungen.

Im öffentlichen Gesundheitsdienst Italiens haben 2025 erstmals mehr Krankenhausärztinnen und -ärzte freiwillig gekündigt als den Dienst regulär beendet. Nach einer am 2. Oktober 2026 veröffentlichten Auswertung des Centro Studi Anaao Assomed verließen 3.767 Ärztinnen und Ärzte den Servizio Sanitario Nazionale aus freien Stücken, während 2.876 in den Ruhestand gingen. Der Ärzteverband spricht von einem Wendepunkt für die stationäre Versorgung.

Gegenüber 2024 stieg die Zahl der freiwilligen Kündigungen damit um rund 150 Prozent (2024: 1.503). Laut Studie liegt das Durchschnittsalter der Kündigenden bei etwa 48 Jahren – ein Hinweis auf vorzeitige Abgänge weit vor dem regulären Rentenalter. Die Auswertung stützt sich nach Angaben von Anaao Assomed auf amtliche und berufsnahe Datenquellen, darunter auch Onaosi.

Als Ursachen nennt der Verband ein Bündel struktureller Probleme: anhaltende Arbeitsüberlastung, Burnout, unzureichende Personalplanung, Fragen der Arbeitssicherheit sowie bessere Verdienst- und Arbeitsbedingungen im privaten Sektor oder im Ausland. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Strukturschwächere Gebiete und kleinere Krankenhäuser seien besonders betroffen, mit direkten Folgen für Dienstpläne, Fachgebietsabdeckung und Notfallbereitschaft.

Anaao Assomed fordert kurzfristige und mittelfristige Gegenmaßnahmen. Dazu zählen belastbare Personalpläne, Verbesserungen bei Arbeitszeiten und Vergütung, mehr Schutz für Beschäftigte sowie Programme, um zurückgewonnene oder neu zugewanderte Fachkräfte dauerhaft zu binden. Ohne Kurskorrektur könne die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Systems, so der Verband, schrittweise erodieren. Die Gewerkschaftsdiagnose deckt sich mit Medienberichten in Italien; Agenturen wie Ansa griffen die Analyse auf und verorteten sie in einen längerfristigen Trend steigender Abwanderung.

Für die Jahre nach 2025 hängt die Entwicklung maßgeblich von politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung in den Regionen ab, die in Italien erhebliche Zuständigkeiten für das Gesundheitswesen tragen. Die Studie liefert belastbare Hinweise auf Engpässe in besonders beanspruchten Fächern und Häusern; ob und wie schnell gegensteuert wird, lässt sich derzeit nicht belastbar abschätzen. Klar ist: Die außerplanmäßigen Abgänge in der Altersgruppe um die 50 Jahre belasten Kliniken unmittelbar stärker als reine Verrentungen, weil Erfahrung und Leitungsfunktionen schwerer zu ersetzen sind.

Die Zahlen markieren damit einen national relevanten Befund: Der Servizio Sanitario Nazionale verliert vermehrt Ärztinnen und Ärzte durch freiwillige Kündigung – und zwar in einem Ausmaß, das klassische Altersabgänge übersteigt.

Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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